Macau hatte ich zunächst gar nicht richtig auf dem Radar. Irgendwo zwischen Hongkong, China und dem Ruf als Glücksspielmetropole schien die Stadt vor allem für Casinos, große Hotels und bunte Lichter zu stehen. Es war mehr ein Zufall, dass ich Macau in unsere Reiseroute einbaute. Erst sollte es ein Tagesausflug von Hongkong werden, doch irgendwann entschied ich mich für eine Übernachtung in der Stadt des Glücksspiels.

Die Anreise nach Macau ist bereits ein kleines Erlebnis für sich. Von Hongkong aus geht es mit dem Katamaran über das Wasser – schnell, unkompliziert und mit einem ersten Gefühl dafür, dass man gleich in eine ganz eigene Welt eintaucht. Während hinter einem die Skyline von Hongkong langsam kleiner wird, nähert man sich Macau mit seinen Hotelpalästen, Brücken und Hochhäusern am Horizont.
Die glitzernde Welt des Glücksspiels
Man merkt Macaus Ruf als Glücksspielmetropole schon bei der Ankunft im Hafen. Noch bevor man richtig in der Stadt ist, tauchen am Horizont die riesigen Hotel- und Casinokomplexe auf – monumentale Gebäude, leuchtende Fassaden und eine Kulisse, die sofort zeigt, welche Rolle das Glücksspiel hier spielt. Macau wird nicht ohne Grund oft als „Las Vegas Asiens“ bezeichnet, wobei der Vergleich fast zu kurz greift: Allein 2025 erzielte die Casinobranche dort einen Bruttospielertrag von rund 247,4 Milliarden Patacas, also etwa 30,85 Milliarden US-Dollar. Diese Dimension spürt man auch im Stadtbild. Trotzdem blieb es für uns bei einem Blick von außen. Da mein Patchwork-Sohn, der mich auf dieser Reise begleitete, noch keine 21 Jahre alt war, haben wir abends keines der Casinos besucht. Im Nachhinein war das gar nicht schlimm, denn so richtete sich unser Blick stärker auf Macau jenseits der Spieltische: auf die Straßen, Plätze, Tempel, kolonialen Spuren und die besondere Atmosphäre dieser Stadt.

Um Macau jenseits der Casinos besser zu verstehen, lohnt sich ein kurzer Blick auf die jüngere Geschichte der Stadt.
Die jüngere Geschichte Macaus begann 1999 mit der Rückgabe der ehemaligen portugiesischen Kolonie an China. Seitdem ist Macau eine Sonderverwaltungszone mit eigenem Rechtssystem und vielen portugiesischen Spuren im Stadtbild. Ab 2002 veränderte die Liberalisierung des Glücksspielmarkts die Stadt grundlegend: Internationale Casinokonzerne investierten Milliarden, und Macau entwickelte sich zur größten Glücksspielmetropole der Welt. Heute steht die Stadt vor der Aufgabe, dieses Erbe mit ihrer kolonialen Geschichte, chinesischen Identität und dem Wunsch nach wirtschaftlicher Vielfalt zu verbinden.
Macau ist nicht nur Glücksspielmetropole, sondern auch eine Stadt voller Geschichte, Kontraste und überraschender Details. Zwischen kolonialen Fassaden, chinesischen Tempeln und modernen Hochhauskulissen zeigt sich schnell, wie vielseitig diese Stadt eigentlich ist.
Doch welche Sehenswürdigkeiten lohnen sich wirklich, wenn man so wie wir nur begrenzt Zeit in der Stadt hat?
1. Die Ruinen der Pauluskirche
Die Ruinen der Pauluskirche gehören zu den bekanntesten Sehenswürdigkeiten Macaus und sind fast so etwas wie das Wahrzeichen der Stadt. Von der einstigen Kirche ist heute vor allem die imposante steinerne Fassade erhalten, die sich am Ende einer breiten Treppe erhebt.

Der Rest des Gebäudes wurde im Jahr 1835 bei einem Feuer weitgehend zerstört; nur die steinerne Vorderfront überstand den Brand, während die Kirche und das angrenzende Kloster verloren gingen. Gerade dieser Anblick macht den Ort eindrucksvoll: Vor einem steht nur noch ein Fragment, und trotzdem wirkt es monumental. Gleichzeitig zeigt sich hier sehr deutlich Macaus koloniale Vergangenheit, denn die Ruine erinnert an die portugiesischen Einflüsse und an die lange Geschichte der Stadt als Begegnungsort zwischen Europa und China.

2. Die historische Altstadt von Macau
Die historische Altstadt von Macau gehört seit 2005 zum UNESCO-Welterbe und zeigt besonders eindrucksvoll, wie stark hier chinesische und portugiesische Einflüsse miteinander verschmelzen. Zwischen pastellfarbenen Kolonialfassaden, Kirchen, Tempeln, engen Gassen und kleinen Plätzen wirkt Macau an vielen Stellen fast mediterran – und gleichzeitig unverkennbar chinesisch.
Gerade dieser Mix macht einen Spaziergang durch die Altstadt so reizvoll. Man läuft vorbei an portugiesisch geprägten Gebäuden, steht kurz darauf vor einem chinesischen Tempel und merkt schnell, dass Macau über Jahrhunderte ein wichtiger Begegnungsort zwischen Ost und West war. Besonders rund um den Senado Square, die Ruinen der Pauluskirche und die umliegenden Gassen lässt sich diese besondere Atmosphäre gut erleben.

3. Das Monte Fort
Die Monte Fort, auch Fortaleza do Monte genannt, liegt direkt oberhalb der Altstadt und gehört zu den historischen Verteidigungsanlagen Macaus. Früher diente die Festung dem Schutz der portugiesischen Siedlung, heute ist sie vor allem ein schöner Aussichtspunkt. Von den alten Festungsmauern aus hat man einen weiten Blick über die Dächer der Altstadt, die Ruinen der Pauluskirche und die modernen Hochhäuser im Hintergrund. Gerade dieser Kontrast zwischen Geschichte und Gegenwart macht den Besuch lohnenswert.

4. Grand Lisboa Hotel und Rua Nova à Guia – Macaus berühmter Instagram-Blick
Das Grand Lisboa Hotel ist eines der markantesten Gebäude Macaus und kaum zu übersehen. Mit seiner goldenen, fast lotusartigen Form ragt es aus der Skyline heraus und wirkt je nach Blickwinkel futuristisch, verspielt und ein wenig übertrieben. Genau dadurch passt es perfekt zu Macau: eine Stadt, in der koloniale Altstadtgassen, chinesische Tempel und glitzernde Casinoarchitektur oft direkt nebeneinanderstehen.

Besonders gut sieht man diesen Kontrast in der Rua Nova à Guia. Dort verbinden sich ältere Wohnhäuser und enge Straßenzüge im Vordergrund mit dem riesigen Grand Lisboa im Hintergrund. Genau dieses Motiv ist inzwischen einer der bekannten Fotospots der Stadt: unten Alltag, oben Casino-Glamour – und dazwischen Macau in seiner ganzen Gegensätzlichkeit.
Übernachten in Macau
Übernachtet haben wir im Hotel Central, und im Nachhinein war das für uns genau die richtige Wahl. Wer Macau nicht wegen der Casinos besucht oder bewusst nicht in einem der großen Casinohotels schlafen möchte, findet hier eine sehr gute Alternative mitten in der Stadt. Die Lage ist ideal, um die historische Altstadt, den Senado Square, die Ruinen der Pauluskirche und viele kleine Gassen bequem zu Fuß zu erkunden. Gerade für unseren kurzen Aufenthalt war das perfekt, weil wir nicht lange unterwegs sein mussten und Macau abseits der großen Hotel- und Casinokomplexe erleben konnten.

Außerdem passt das Hotel selbst gut zur Atmosphäre der Stadt: historisch, zentral gelegen und deutlich näher an dem Macau, das wir kennenlernen wollten.
