Petra – die rote Stadt in den Felsen

Neben der Wüste Wadi Rum gilt die Felsenstadt Petra als absolutes Highlight jeder Jordanienreise. Ich dachte immer, dass Petra mehr oder weniger nur aus dem weltberühmten Schatzhaus besteht. Das war ein Irrtum, denn die Felsenstadt ist riesig und hinter dem Schatzhaus erstreckt sich ein unglaublich großes Gelände mit über 800 historischen Denkmälern und Bauwerken. Die Erkundung dauert Stunden und ist an einem Tag nicht zu schaffen.

Petra gilt als eines der Neuen Sieben Weltwunder und ist eine in Stein und Felsen gemeißelte Ruinenstätte der Nabatäer. Die Nabatäer bildeten das erste arabische Reich in der Geschichte und die Geschichte Petras ist sehr eng mit der der Nabatäer verknüpft. Da die Nabatäer jedoch kaum eigene Schriften hinterlassen haben, weiss man heute leider heute nicht viel über dieses Volk. Etliches lässt sich nur aus biblischen, griechischen oder römischen Quellen erschliessen. Sie kamen circa 500 v. Chr. nach Petra und schlugen in dieser Zeit die ersten Höhlenwohnungen in den Fels. Das Volk handelte später vor allem mit Gewürzen, Weihrauch und Silber. Durch den Handel wurden sie sehr wohlhabend.  Die Felsenstadt lag zudem günstig in der Nähe wichtiger Handelsstraßen, was für Händler von nah und fern von Vorteil war. So konnten sie hier ihre Waren vertreiben. Irgendwann verschwanden immer mehr die Zelte und es wurden feste Bauten errichtet. So entstand u.a. auch der Haupttempel und weitere Bauwerke. Wissenschafter schätzen, dass damals rund 30.000 bis 40.000 Menschen in Petra lebten.

Irgendwann wurde Petra von den Römern erobert und gedieh weiter und wurde immer größer bis im Jahre 363 n. Chr. ein großes Erdbeben die Stadt zerstörte. Man weiß es nicht genau, aber man vermutet, dass das Erdbeben der Grund war, weshalb die Stadt aufgegeben wurde. Ein anderer Grund kann auch die Verlegung von Handelsrouten sein. Spätestens im 7. Jahrhundert und das sind sich die Historiker einig, war Petra komplett verlassen und vergessen.

Es dauerte bis ins Jahre 1812,  bis die verlorene Stadt Petra von einem Schweizer Forscher Johannes Burckhardt wieder gefunden wurde. Er kleidete sich wie ein Araber und überredete seinen Beduinenführer, ihm die Stadt zu zeigen. Erst um 1920 begannen schliesslich die ersten archäologischen Ausgrabungen, sowie die Erschliessung für den Tourismus.

Petra: die einzelnen Bauwerke
Einen Übersichtsplan von Petra erhälst du kostenlos am Haupteingang. Im Plan sind auch die einzelnen Wanderrouten eingezeichnet.
1. Der Damm (Bab Al Siq)

Direkt nach dem Visitor Center geht es immer geradeaus, während neben einem Kamele und Pferde auf einer eigenen Bahn umherlaufen und Gäste chauffieren. Auf dem lang gestreckten Weg zur Schlucht kommt man an Gräbern vorbei, an den vier Pyramiden, den Djinn-Blöcken, Monumenten, Inschriften und Statuen. „Bab Al Siq“ bedeutet übrigens soviel wie „Tor zur Schlucht“.

2. Die Schlucht (As Siq)

Nach der „Bab Al Siq“ kommt man  zum Eingang der Schlucht (Siq). Diese ist rund 1,2 Kilometer lang. Besonders schön sind die hohen Felsen und Gesteinsformationen, welche in schönen Rot- und Orangetönen schimmern. Die Schlucht ist der beeindruckende Zugang zu Petra und besitzt eine unbeschreibliche, schlichte Schönheit.  Was die Natur und die Menschheit dort geschaffen hat, ist wirklich einmalig.

Am Ende der Schlucht, nach der letzten Kurve erblickt man dann endlich das Schatzhaus, das bekannteste Gebäude Petras.

3. Das Schatzhaus (Al Khazneh)

Die Fassade ist fast 40 Meter hoch und besticht vor allem durch die hübschen Verzierungen. Gekrönt wird die Fassade durch eine riesige Urne, die nach einer Legende nach den Schatz eines Pharaos enthielt. Man vermutet, dass dieses Bauwerk im 1. Jahrhundert v. Chr. erbaut wurde, sicher ist man sich jedoch nicht. Will man das Schatzhaus von oben fotografieren, kann man auf einen Felsen klettern. Dieser ist leider fest in den Händen von ein paar Jungs. Sie lassen einem nur hoch, wenn man ihnen Geld gibt.

4. Die Fassadenstraße

Direkt nach dem Schatzhaus kommt man zur Fassadenstraße. Hier reihen sich nabatäische Gräber dicht aneinander, welche in die Felsen gemeißelt wurden. Nun öffnet sich auch die Schlucht und du findest hier im Tal zahlreiche Souvenirstände, eine Toiletten und auch kleinere Snack-Restaurants.

5. Das Römische Theater

Kurz nach der Fassadenstraße kommt man zum Römischen Theater, welches wohl Platz für bis zu 4000 Personen bot. Es ist wirklich erstaunlich, wie gut erhalten die vielen Bauwerke noch heute sind. Übrigens ist es das einzige Amphitheater weltweit, welches komplett aus dem Fels gehauen wurde.

6. Die Königsgräber

Rechts neben dem Römischen Theater stehen die sehr beeindruckenden  Königsgräber mit ihren 13 Grabtempeln, welche ebenfalls in die Felsen gehauen wurden. Diese entdeckt man auf der rechten Seite des Wadi, angefangen vom Urnengrab, bis zum Seidengrab sowie der Fassade des Korinthischen Grabes und des Palastgrabes. Ein Weg führt zu den Gräbern, welche man im Einzelnen erkunden kann. Sichtbar auf einem Hügel, steht eine Flagge. Von dort hat man eine schöne Aussicht auf die Felsenstadt. Einige Gräber kann man auch betreten und von Innen die wunderschönen Felsen und Farben anschauen.

7. Der große Palast und die Säulenstraße

Folgt man weiter dem Wadi, erreicht man über die Säulenstraße den Großen Tempel. Man schätzt die Fläche des Tempels auf rund 7500 Quadratmeter, weshalb dieser zu den größten architektonischen Komplexen der Ruinenstadt zählt. Trotz seiner ursprünglichen Größe ist er nicht so imposant als andere Gebäude auf dem Gelände.

8. Das Kloster (Monastery Ad-Deir)

Ein kleiner Spaziergang ins Wadi Araba (ca. 2 Stunden hin und zurück) geht es leicht den Berg hinauf bis zum Monastery. Im Vergleich zum Schatzhaus sind deutlich weniger Besucher auf dem Weg zum Kloster, dennoch kann man nicht mehr sagen, dass auf den Weg hinauf Ruhe herrscht. Ad-Deir ist eines der größten Bauwerke in Petra. Es ist 47 Meter breit und 48 Meter hoch. Sehr gut erhalten und atemberaubend schön, wenn man davor steht. Im Inneren befindet sich ein Altar. Das Gebäude wurde auch als Sitzungssaal verwendet. König Rabel II. ließ das Gebäude im 2. Jahrhundert n. Chr. bauen. Im Innern befinden sich auch christliche Kreuze, die in den Felsen gehauen wurden, da das Kloster irgendwann auch als christliche Kirche genutzt wurde. Aus dieser Zeit stammt dann auch die Bezeichnung Kloster.

Vor Ort befindet sich direkt vor dem Kloster ein kleines Restaurant (As Deir Restaurant) mit tollen Sitzmöglichkeiten. Von dort hat man einen herrlichen Blick auf das Kloster. Ins Kloster selbst darf man nicht hinein, aber auch der Anblick von außen ist wirklich überwältigend. Vom Kloster aus, kann man dann noch auf einen Aussichtspunkt gehen. Oben angekommen, wird man mit Weitsicht belohnt.

Der Blick von oben auf das Schatzhaus

Spätestens seit Instagram hat jeder von uns bestimmt schon unzählige Fotos vom Schatzhaus von oben gesehen. Doch wie kommt man da hin? Ganz einfach, man folgt  dem offiziellen Wanderweg „Al-Khubtha-Trail“ (das ist übrigens auch der Weg, von dem man das Römische Theater von oben sehen kann). Man muss den Trail bis zum Ende gehen.

Dieser Trail ist  schweißtreibend und anstrengend und führt über etwa 900 Stufen ganz auf die Berg hinauf. Belohnt wird man dann aber mit einer unheimlich zauberhaften Aussicht. Hier hatten wir zum ersten Mal in Petra richtig Ruhe, da nur wenige Touristen den Aufstieg in Kauf nehmen. Auf halber Strecker lädt ein gemütliches Cafe mit Aussicht ein zu Verweilen.

Petra richtig erleben mit dem Zweitagespass

Schon bereits beim Onlinekauf des Jordanpass muss man sich entscheiden, ob man sich einen Tag oder zwei Tage Zeit nimmt, um das Gelände zu erkunden. An einem Tag hätten wir das aufgrund der Hitze und der Weitläufigkeit  nie  geschafft. Da dieses Ticket nur fünf Dinar mehr kostet als für einen Tag (55 JOD statt 50 JOD) würde wir das jedem  empfehlen, der Petra ein bisschen genauer erkunden und nicht nur die typischen Sehenswürdigkeiten ganz schnell abklappern möchte.

Petra öffnet seine Pforten täglich um 6 Uhr morgens. Wir sind an beiden Tagen gleich um 6 Uhr los und hatten in den ersten Morgenstunden angenehme Temperaturen und vor allem keine Menschenmassen um uns. Abgeschlagen und erschöpft verließen wir die Stätte an beiden Tagen bereits zwischen zwei und drei Uhr Nachmittags.

Felsenstadt Petra by Night

Immer montags, mittwochs und donnerstags findet in der Felsenstadt „Petra by Night“ statt.  Es werden ca. 1500 Kerzen vor dem Schatzhaus und anderen Teilen der Stadt aufgestellt.  Die ganze Show dauert rund zwei Stunden und kostet pro Person 20 JD extra zum eigentlichen Tagesticket.Beginn ist jeweils 20 Uhr (Visitor Center). Man geht gemeinsam durch die Schlucht  zum Schatzhaus. Wir selbst haben es nicht gemacht.

 

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