Iran – das Land im Mittleren Osten löst momentan in der Traveller-Szene sehr viel Neugierde aus. Was einem allerdings im Iran erwartet, kann man sich im Vorfeld nicht so richtig vorstellen. Klar, man weiß, dass die Städte mit schöner islamisch-persischer Architektur glänzen, doch  zeitgleich wirkt das islamische Scharia-Land geheimnisvoll, undurchschaubar und  wegen der negativen medialen Berichterstattung eher bedrohlich. Viele haben mich vor meiner Reise gefragt, weshalb es gerade der Iran sein muss? Ich selbst konnte nur mit der Gegenfrage „warum nicht?“ antworten.

Entscheidet man sich für eine Reise durch den Iran, gibt es natürlich einige Dinge, die man wissen sollte, bevor man in das Land reist. Ich habe mal versucht das Wichtigste zusammenzustellen.

1. Einreisebstimmungen

Durch die politische Öffnung gibt es seit ein paar Jahren ein On-Arrival-Visum. Es wird an den iranischen Flughäfen ausgestellt. Die Beantragung erfolgt recht schnell. Du brauchst den Reisepass, einen Versicherungsnachweis und eine Hotelbuchung für die erste Nacht. Entscheidest du dich für diesen Weg, musst du bedenken, dass die meisten Flüge Mitten in der Nacht ankommen und du ein wenig Geduld und Zeit mitbringen musst.

Du kannst dein Visum auch klassisch bei der iranischen Botschaft oder Konsulat beantragen. Das ist der wohl beste Weg, wenn man sehr viele Visa und Einreisestempel im Reisepass hat. Es gibt wohl immer wieder Probleme, wenn der Reisepass schon sehr voll ist. Julian von Backpacker-dude.com hat einen tollen Artikel rund um das Thema Visa geschrieben: https://backpacker-dude.com

2. Einfacher & günstiger Transport

Reisen im Iran ist mit Bus und Bahn sehr einfach und günstig. Tickets müssen nicht reserviert werden. Sie können vor Ort am Terminal oder beim Busfahrer gekauft werden. Ausnahme sind lange Zugfahrten mit einem Over-Night-Train. Da empfiehlt es sich lange im Vorfeld einen Platz zu reservieren. Alle größeren Städte werden regelmäßig angefahren, teilweise stündlich. Alle kleineren Ortschaften sind immer noch zwei bis dreimal pro Tag verbunden.Die Busse sind sehr komfortabel, klimatisiert und es gibt einen Snack für zwischendurch.

3. Wie sicher ist das Reisen im Iran?

Trotz vieler Vorurteile  gegenüber diesem Reiseziel, habe ich mich auf auf eine Reise durch den Iran eingelassen. Ich habe es nicht bereut, würde es wieder tun und kann es nur jedem weiterempfehlen.

Viele von den deutschen Massenmedien verbreitete Stereotype haben sich nicht bewahrheitet. Nicht jeder Perser trägt einen Bart, ist gewaltbereit oder schaut  blonden Frauen hinterher. Im Gegenteil, die Menschen sind freundlich, extrem hilfsbereit und unternehmen alles, dass man sich als Gast in ihrem Land wohl fühlt. Bei der Präsenz von Polizei gibt es keinen Unterschied zu westlichen Ländern, selbst in dunklen Ecken habe ich mich sicher gefühlt. Der Beginn der islamischen Revolution vor 40 Jahren und das Hochspielen durch die Medien trugen definitiv dazu bei, dass viele Menschen, wenn es um eine Reise in den Iran geht, einfach verunsichert sind.

Zusammenfassen kann ich nur sagen: ich habe mich in keinem anderen Land bisher sicherer gefühlt als im Iran.

4. Können Frauen alleine in den Iran reisen?

Ich bin keine Frau. Ich kann daher nur davon berichten, was mir alleinreisende Frauen berichtet haben.Alle waren der Meinung, dass der Iran ein sehr sicheres Reiseland für Frauen ist. Das liegt vor allem daran, dass es nicht gerne gesehen ist als Mann mit unverheirateten Frauen in Kontakt zu kommen. Während meiner Reise durch den Iran bin ich deutlich mehr alleinreisende Frauen begegnet als alleinreisende Männer. Einen ausführlichen und sehr informativen Artikel über das Reisen als Frau hat Steffi von Aworldkaleidoscope.com geschrieben.

5. Beste Reisezeit für Iran

Im Iran musst du mit jedem Wetter rechnen, je nachdem wo du dich gerade aufhältst: Skifahren in den Bergen oder Kamel Safari in der Wüste – im Iran ist vieles machbar! Den unangenehm heißen Sommer und den eisigen Winter sollte man möglichst vermeiden. Die beste Reisezeit ist also von April bis Juni und von September bis November.  Achte bei deiner Reiseplanung auf die iranischen Feiertage (während dieser Zeit reisen die Iraner selbst wild durch das Land) und vermeide eine Iran Reise zum Ramadan (Fastenzeit) und zu Aschura (Trauerfest der Schiiten). Ich selbst war im April im Iran und empfand das Wetter perfekt, um durch ein Land zu reisen.

6. Wie sind die Zahlungsmodalitäten im Iran?

Geldwechsel im Iran ist in den Großstädten  ganz unproblematisch. Es gibt genügend Wechselstuben und auch in Banken (zu einem deutlich schlechteren Kurs) und Hotels kann man sein Geld tauschen. Aufgrund von Sanktionen funktionieren im Iran weder Kreditkarte und EC-Karten. Trotz einer relativ hohen Dichte an Geldautomaten ist das Abheben von Geld für Touristen nicht möglich. Von daher solltest du dein komplettes Reisebudget in Form von Bargeld mitnehmen. Wenn dir das zu heikel ist, mit so viel Geld durch ein Land zu reisen, kannst du bereits im Vorfeld die iranischen Mah-Card (Touristen Kreditkarte) beantragen. Ich habe mich dagegen entschieden und bin mit Bargeld durchs Land gereist und habe mich dabei nie unsicher gefühlt.

Rial und Toman – das Verwirrspiel mit der fehlenden ‚0‘
Auch wenn die offizielle Währung Rial ist, ist im täglichen Gebrauch immer von „Toman“ die Rede. Dabei handelt es sich um eine Art Pseudowährung bei der schlichtweg eine 0 aus dem Betrag gestrichen wird (10.000 Toman = 100.000 Rial).
Praxisbeispiel: wenn z.B. die Kosten einer Taxifahrt mit „40.000 Toman“ angegeben werden, zahlt man letztlich 400.000 Rial.

7. Islamische Kleiderordnung im Iran

Wer durch den Iran reist, hat sich an die islamische Kleiderordnung zu halten. Daran führt kein Weg vorbei und eine Missachtung kann bestraft werden. Die islamische Kleiderordnung gilt übrigens auch schon, wenn du das Flugzeug eine iranischen Airlines betrittst.

Was bedeutet die islamische Kleiderordnung für Frauen?

Kopfbedeckung: Frauen im Iran, egal ob Iranerin oder Touristin, müssen ihren Kopf bedecken. Sobald du als Frau im Iran das Hostel oder Guesthouse verlässt, hast du ein Kopftuch zu tragen.  Figur betonte Kleidung ist für Frauen im Iran tabu. Empfehlenswert sind langärmlige Oberteile, die mindestens bis zum mittleren Oberschenkel reichen. Die Ärmel des Oberteils sollten mindestens deinen Ellenbogen bedecken.

In manchen Moscheen müssen Frauen einen Chador zu tragen. Ein Chador ist ein langer Umhang, der den kompletten Körper bis auf Gesicht und Füße verdeckt. Dieser wird dir direkt am Eingang der Moschee bereitgestellt. Manchmal hat der Chador auch Öffnungen für die Arme.

Was bedeutet die islamische Kleiderordnung für Männer?

Wir Männer haben es im Iran viel einfacher. Was allerdings nicht heißt, dass du in kurzen Hosen tragen kannst. Ich selbst habe mich am wohlsten in langen Hose, langärmlige Hemden und geschlossene Schuhe gefühlt. Das Tragen von T-Shirt ist allerdings auch ok.

8. Lokale Gesetze

Der Iran ist eine Islamische Republik – dies bedeutet, das vor Ort das islamische Recht, die Scharia, gilt und diese auch durchgesetzt wird.

Die wichtigsten Gesetze, Verhaltensregeln & Besonderheiten
Natürlich gelten Regeln und Gesetze auch für Touristen, wer sich nicht daran hält muss mit entsprechenden Strafen rechnen.

  • Alkohol ist verboten:
    Für die meisten ist dies wohl die größte Einschränkung.
  • Drogen sind strikt verboten (langjährige Gefängnisstrafen!).
  • Homosexualität ist im Iran verboten.
  • Körperkontakt zwischen Mann und Frau in der Öffentlichkeit ist zu vermeiden. Das gilt auch für Touristen, die als Paar durchs Land reisen.
  • Tanzen ist in der Öffentlichkeit verboten.
  • Keine Foto- oder Filmaufnahmen von öffentlichen Gebäuden, Industrieanlangen und Militäreinrichtungen (Achtung Spionageverdacht).
  • Es gilt Drohnenverbot im gesamten Land.
  • der Freitag hat im Iran die Rolle unseres Sonntags. Am Freitag sind die meisten Geschäfte, Banken und Wechselstuben geschlossen.

Ok, zwar klingt das teilweise recht hart, jedoch sieht die Realität entspannter aus als man es vermuten mag (zumal man auch einen kleinen Sonderstatus als Tourist genießt). Generell ist gerade die junge, liberale Generation im Iran sehr westlich orientiert und stört sich ebenfalls an vielen Regeln, privat geht es dann nicht anders zu als bei uns. Auch die Kleiderordnung wird nicht selten gewagter ausgelegt. Vor allem in Teheran hat mich die Street-Fashion doch recht angenehm überrascht!

9. Internet & Co.

Mobiles Internet ist im Iran super günstig und in den Städten auch entsprechend schnell (LTE). Daher empfehle ich dir den Kauf einer lokalen Sim-Karte für dein Smartphone. Ich habe mir direkt nach Ankunft im Flughafengebäude eine lokale SIM von „Irancell“ gekauft. Die Freischaltung dauerte 4 Stunden. Nach Einrichtung kannst du in fast jedem Kiosk mit den Worten „Irancell Credit“ Guthaben kaufen, wenn du deines im Laufe der Reise aufgebraucht hast. Für 5GB Datenvolumen habe ich lediglich 5€ bezahlt.

Proxy
Leider sind im Iran einige Webseiten und Apps aus verschiedenen Gründen gesperrt. Du kannst diese Sperre allerdings mit einem VPN umgehen. Am besten du lädst dir noch von zu Hause einige VPN Apps auf den Smartphone und versuchst vor Ort, welcher funktioniert. Einige Zugänge sind kostenpflichtig. Hinweis: Facebook geht nur mit VPN. Instagram und WhatsApp funktionieren  problemlos auch ohne VPN.

Snapp
Das iranische „Uber“ gibt es neben Teheran in immer mehr großen Städten. Snapp findest du nicht im Apple Store. Ich habe die App dennoch auf mein iPhone laden können. Habe sie irgendwo im Netz gefunden.

10. Unterkünfte im Iran

Was die Vorabbuchung von Unterkünften im Iran angeht gilt auch hier: back to the roots. Durch den fehlenden Anschluss an unsere Finanzmärkte ist eine Online-Buchung (wie zum Beispiel über booking.com) nur für sehr wenige, meist teure Hotels möglich. Dementsprechend musst du die Unterkünfte direkt per Mail kontaktieren um ein Zimmer zu reservieren. Ich selbst habe meist einen Tag vorher angerufen und nachgefragt. Das Finden eines schönen Hostel oder Guesthouse wird dadurch echt schwierig bzw. ähnelt eher einem Zufallsprinzip.

11. Iranische Küche

Diepersische Küche ist äußerst schmackhaft. Beim Kochen werden viele Gewürze verwendet wie Safran, Kurkuma und Zimt, allerdings ohne das Gericht zu überwürzen.  Der typischer Hauptgang im Iran, der es fast in jedem Restaurant gibt,  besteht meist aus einem Kebabspieß und einer Portion typisch persischen Duftreis, der mit Safran und getrockneten Obst verfeinert wird. Dazu werden oft Grilltomaten, Fladenbrot oder Jogurt gereicht.

Pappsüß und kalorisch sind die Kuchen, Nachtische, Süßigkeiten, Säfte und Eiscremes im Iran, die alle 100 Meter auf der Straße und in den Restaurants angeboten werden. Zu einem typisch persischen Glas Schwarztee gehört meist eine Schüssel voll klebrigem Honigkuchen. Zudem gibt es getrocknetes Obst wie Datteln und Feigen in Hülle und Fülle.

Welche Gerichte darf man nicht verpassen?

  • Gormeh Sabzi: Typisch persischer Eintopf aus Kräutern und roten Bohnen, die zu einem Brei vermengt werden, mit oder ohne Fliesch, dazu wird Reis gereicht
  • Dizi: Persische Suppe aus dem Tontopf mit geschmorrten Fleisch, Kirchererbsen, Kartoffeln und Bohnen
  • Asch: Dicker, sehr sättigende Eintopf in unterschiedlichen Ausführungen, meist aus Bohnen oder Linsen
  • Faloudeh: Typisch iranisches Eis aus Nudeln, dass mit Zitronensaft und Rosenwasser geereicht wird, unbedingt probieren! (extrem süß!!)
  • Baghlava: Ähnelt dem türkischen Baghlavā, hergstellt aus Pistazien, Mandeln, Kardamom, Zucker und Mehl

Gibt es vegetarisches Essen im Iran?

Ja, im Iran gibt es vegetarisches Essen, allerdings hat man es als Vegetarier/-in wesentlich schwerer als zum Beispiel in Indien. Die traditionellen guten Gerichte bestehen im Iran meist aus Fleisch.

Mein Fazit: ich habe während meiner Reise immer wieder mal sehr lecker und köstlich gegessen. Allerdings gab es auch vereinzelt Abende, da ging es ausschließlich um Nahrungsaufnahme und nicht um einen kulinarischen Genuss. Sehr überrascht haben mich vor allem die köstliche Kuchen und Süßspeisen in den vielen Cafés.

Ess-Manieren im Iran: Was gibt es zu beachten?

Ob im Restaurant oder zu Besuch bei einer iranischen Familie, nur in den seltensten Fällen wirst du an einem Tisch speisen. Gegessen wird im Iran traditionell auf dem Boden oder auf einem Holzpodest im Schneidersitz. Mal isst man mit Besteck, mal nur mit den Händen. Dann solltest du darauf achten, nur die rechte Hand zu verwenden.

12. Backpacking Iran: Was kostet das?

Der Iran ist momentan ein extrem günstiges Reiseland (Stand Mai 2019).  Alleine schon der Hinflug bekommt man für extrem wenig Geld (ich selbst habe 250€/hin- und zurück von Zürich über Istanbul nach Teheran bezahlt). Im Verhältnis teuer ist das Visum.

Kosten für Backpacking Iran:

  • Taxifahrt: 75.000 – 200.000 Rl (0,50 – 1,75 €)
  • Eintrittspreise: 80.000 – 200.000 Rl (0,50 – 1,75 €)
  • Flasche Wasser: 5.000 Rl (0,05 €)
  • Hotelübernachtung: 6 – 10 € (Ausnahme Teheran, dort ist es deutlich hochpreisiger)
  • Essen im Restaurant: 80.000 – 500.000 Rl (0,80  – 3,70 €)

13. Welche Städte sollte man im Iran besuchen?

Ss gibt vieles zu entdecken im Iran. Das Land selbst ist sehr groß. Ich  hatte nichts im Vorfeld geplant, habe mich in Teheran dann doch von der klassischen Einstiegsroute leiten lassen und bin auch im Nachhinein mit meiner Entscheidung sehr zufrieden. Die unten angezeigte Route lässt sich in zwei Wochen sehr gut machen.

Meine Route:

Teheran (3 Nächte)

Kashan (1 Nacht)

Isfahan (3 Nächte)

Yazd (3 Nächte)

Shiraz (3 Nächte, inkl. Persepepolis)

Teheran (1 Nacht)

 

Fazit: Ich habe eine sehr beeindruckende Zeit im Iran verbracht. Es gibt kaum ein Land in dem es so vieles zu sehen und zu entdecken gibt. Gastfreundschaft wird in vielen Ländern besonders erwähnt. Was man im Iran allerdings in punkto Gastfreundschaft erlebt ist kaum in Worte zu fassen. Der Satz „Welcome in Iran“ kommt bei den Iranern so tief aus ihrem Herzen. Man muss den Iran besucht haben, um zu verstehen wie wunderschön er ist und wie liebevoll die Menschen sind.

Written by Reisen macht froh