Noch ein paar Meter weiter und noch einmal um die Ecke – spätestens dann ist einem bewusst, dass man aus diesem Labyrinth nicht mehr so schnell rauskommt.  Ohne genug Zeit im Gepäck darf man die Medina von Fes auf keinen Fall betreten. Wer glaubt, dass man mit einer Karte und einem Smartphone besser dran ist, der hat sich getäuscht. Man kann innerhalb der Gassen  nämlich beides vergessen. Die Erklärung dazu ist ganz einfach. Von den geschätzten 11.000 Gassen innerhalb der Medina ist nur knapp die Hälfte irgendwo verzeichnet. Seit der Gründung der Stadt im Jahre 789 wurde keine vollständige Karte erstellt. Selbst Google hat es noch nicht geschafft.

Startet man aus Süddeutschland, so erreicht man Fes innerhalb von drei Flugstunden. Darin liegt sicherlich der Reiz, denn an keinem anderen Ort kann man nach nur drei Flugstunden in eine so faszinierende und fremde Welt eintauchen. 
Wir sind dieses Mal über Sylvester für ein paar Tage nach Fes geflogen. Fes ist sicherlich nicht der Hotspot für Sylvester-Partys, denn hier sucht man das vergebens. Partyliebhaber müssen daher eher Marrakesh ansteuern, um auf ihre Kosten zu kommen. Wir jedoch haben es genossen, das neue Jahr ohne Feuerwerk zu begrüßen.

In Fes leben ungefähr 1,1 Mio. Menschen. Die Stadt besteht aus drei großen Stadtteilen: Fes al Bali, Fes al Djdid sowie Ville Nouvelle. Fes al Bali (die Altstadt = Medina) ist aus touristischer Sicht am interessantesten. Die Medina von Fes gilt als die größte Nordafrikas. Ihre Gesamtfläche umfasst rund 2,8 Quadratkilometer (280 Hektar – 400 Fußballfelder).
Die Medina von Fes, die zum UNESCO-Weltkulturerbe ernannt wurde, erscheint sehr ursprünglich und man kann stundenlang durch die Gassen schlendern und den Alltag beobachten. Dabei ist man fasziniert, begeistert, angewidert und entsetzt. Gerüche, Geschmäcker, Geräusche – man überfordert seine Sinne und am Ende des Tages fühlt man sich von dem Erlebten erschlagen. Wir würden nicht sagen, Fes sei besonders schön , das ganz bestimmt nicht. Aber die Altstadt  ist ein Erlebnis und die folgenden Highlights sollte man bei einem Besuch nicht verpassen:

  1. Durch das „Bab Boujeloud“ gehen

Das „Bab Boujeloud“, welches erst Anfang des 20. Jahrhundert errichtet wurde, ist  wohl der schönste Zugang in die Medina. Übersetzt heißt es das „Blaue Tor“. Obwohl der Name nicht ganz richtig ist, denn das Tor ist nur auf der Außenseite blau, auf der Innenseite ist es grün. Das Blau steht für Fes und das Grün für den Koran. Der Bereich hinter dem Tor nennen die Einheimischen „Platz der verlorenen Touristen“, weil sich Besucher in dem Gassengewirr der Medina nur schwer zurechtfinden.

2. Die Medersa Attarine 

Mitten im Trubel von Fes (nur wenige Gehminuten vom Blauen Tor entfernt) befindet sich die ehemalige Koranschule Medersa Attarine. Gegründet wurde die Medersa im Jahre 1325 und war bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts in Betrieb. Der Innenhof ist fast quadratisch, wobei jede der vier Seitenwände unterschiedlich gestaltet wurde. Mag man Mosaikkunst kommt man hier auf seine Kosten. Während den Gebetszeiten ist die Besichtigung nicht möglich.

3. Kairaouine/ Quarawiyin-Moschee

Gleich neben der Medersa Attarina liegt die Kairaouine Moschee, die gleichzeitig eine Universität ist. Die Qarawīyīn-Moschee, Baubeginn im Jahre 857, ist der älteste erhaltene Moscheebau in Marokko. Die angeschlossene Universität ist die älteste Universität in der islamischen Welt. Die reichhaltige Handschriftenbibliothek ist seit Jahrhunderten die wichtigste Sammelstelle islamischer Handschriften des Landes.

Leider darf die Moschee nur von Muslimen betreten werden. Durch eines der vielen Tore hat man einen kleinen Einblick in den schönen Innenhof. Diesen sollte man sich nicht entgehen lassen.

4. Das Gerberviertel

„Toujours dans le nez“ („Immer der Nase nach“), so sagt man in Fes. Und es stimmt, denn in den  Chouara Tanneries  (den Gerbereien) von Fes wird nach traditioneller Methode Leder per Hand gegerbt. Je näher man den Gerbereien kommt, desto bestialischer wird der Geruch. Dennoch möchte natürlich jeder Besucher von Fes den weltbekannten Blick auf die Gerberei erleben. Allerdings ist das überhaupt nicht so einfach die richtige Aussichtsterasse zu finden, um einen optimalen Blick auf das wilde Geschehen zu haben. Beim Aufstieg zu den Aussichtsplattformen des meistfotografierten Viertels bekommt man meist ein Blatt Minze gegen den Geruch gereicht. Ist man schließlich oben angekommen, weiß man auch warum. In den riesigen, farbenfroh leuchtenden Steinbottichen, auf die man nun schaut, wird Schaf-, Ziegen-, Kuh- und Kamelleder seit Jahrhunderten auf die gleiche Weise gegerbt – mit Taubenkot. Noch immer wird der Beruf des Gerbers vom Vater an den Sohn weitergegeben. Rund um die Steinbottiche ist es laut, unfassbar dreckig und überall liegen Tierhäute.  Bei einigen Touristen kommt regelrecht Ekel auf.

 

6. Place as-Seffarin

Schlendert man nach dem Besuch des Gerbersviertels  weiter durch die schmalen Gassen der Medina stößt man irgendwann auf den  Place as-Seffarina, unschwer erkennbar als der Platz der Messingschmiede. Hier hat man die perfekte Gelegenheit, um auf einer der Dachterrassen einen Pfefferminztee zu trinken.

7. Bab R’cif

Startet man am Blauen Tor und läuft einmal quer durch die Medina ist die Wahrscheinlichkeit relativ hoch, dass man beim Bab R’cif, dem östlichen Eingangstor zur Medina von Fès wieder rauskommt. Es tut regelrecht gut, wenn man plötzlich wieder ein wenig Raum um sich hat. Hie auf dem Platz kann man einen Marokkanischen Tee oder einen Kaffee trinken. Außerdem befindet sich hier auch einen Bankautomaten.

7. Panoramablick auf Fes

Wenn man am Ende des Tages noch ausreichend Kraft hat, sollte man noch einen Ausflug auf einen der Aussichtspunkte auf einem der nahegelegenen Hügel der Stadt machen. Um auf den Stadthügel zu gelangen, nimmt man am besten ein „Petit Taxi“. Von den etlichen Aussichtspunkten hat man einen wundervollen Ausblick auf die Stadtmauer und die Medina mit ihren Minaretten. Am Schönsten ist es natürlich kuz vor Sonnenuntergang.

Übernachten in Fes

Wir haben im wundervollen Riad Dar Fes Medina übernachtet. Das Hotel ist noch relativ neu und die Zimmer sind sauber und sehr geschmackvoll eingerichtet. Der Besitzer ist sehr zuvorkommend und man fühlt sich tatsächlich wie zu Hause. Zu Fuß ist das Riad 10 Minuten vom Blauen Tor entfernt. Vorteil: das Riad ist mit dem Taxi erreichbar. Erwähnenswert ist das reichhaltige Frühstück. 

Essen in Fes

Es gibt viele leckere Restaurants in Fes. Doch eines sei besonders erwähnt, das Dar Roumana. Das Restaurant ist in der Altstadt von Fes. Alleine würde man es nie finden, aber das Restaurant schickt einen Guide der einen abholt und auch wieder nach Hase bringt. Das Haus ist wunderschön im Marokkanischen Stil restauriert. Man sitzt im überdachten Innenhof. Insgesamt stehen 7 Tische zur Verfügung. Die Gerichte sind extrem lecker und mit viel Liebe zubereitet. Außerdem serviert das Restaurant marokkanische Weine, was zwischendurch auch Mal wieder lecker ist.

Written by Reisen macht froh