Rajasthan ist wie ein Eintauchen in eine laute, bunte, chaotische und exotische Welt. Rajasthan war das Land der Könige und Maharadschas und ist eigentlich ein Muss für jeden Indienbesucher, denn hier spürt man noch einen Hauch von jenem Indien, welches vor vielen Jahrhunderten schon wahnsinnig exotisch war. Hier gibt es riesige Forts, alte Paläste und dazwischen Frauen in ihren farbenfrohen Saris. Dies ließ mich während meiner Reise durch das Land immer wieder staunen.

Rajasthan ist der größte Bundesstaat in Indien. Dadurch sind die Entfernungen gigantisch. Während meiner Reise habe ich 2.500 km auf indischen Straßen zurückgelegt.  Ausgangspunkt und Ende war Delhi. Meine Reise führte mich nach Mandawa, Bikaner, Jaisalmer, Jodphur, Udaipur, Bundi, Jaipur und Agra. Ich war ab Mitte August unterwegs und die Temperaturen waren immer noch sehr hoch, vor allem in Jaisalmer war es kaum auszuhalten.

1. Mandawa

Delhi kannte ich schon, deshalb habe ich nur eine Nacht in einem Hotel nahe des Flughafens verbracht und bin am nächsten Morgen gleich in Richtung Mandawa gestartet. Mandawa ist eine überschaubare Kleinstadt. Im Zentrum lässt sich noch alles zu Fuß erkunden. Bekannt wurde Mandawa vor allem wegen den zahlreichen Havelis. Havelis sind palastartig ausgestaltete Wohnhäuser von ehemals reichen Handelsfamilien, die prachtvoll und bunt bemalt sind. In Mandawa geht es ruhig zu. Ich hatte bei meiner Erkundung des Zentrums das Gefühl, dass hier die Zeit stehen geblieben ist. Auffallend war vor allem die Ruhe, etwas völlig untypisches für Indien.

2 . Karni Mata Tempel 

Auf dem Weg nach Bikaner habe ich einen Stop eingelegt. Im kleinen Örtchen Deshnok liegt der heilige Rattentempel Karni Mata. Etwa 20.000 Ratten leben in diesem hinduistischen Tempel, der wie alle Tempel in Indien ausschließlich barfuß betreten werden darf. (Ausnahme sind Touristen!)

Läuft einem eine heilige Ratte über die nackten Füße, gilt dies als besonders glückverheißend. Erhascht man mit einem Blick eine weiße Ratte, darf man sich sogar etwas wünschen. Insgesamt soll es nur drei weiße Ratten in der gesamten Tempelanlage geben.

3. Bikaner

Lange Zeit galt Bikaner eher als unbedeutendes Ziel. Was einem im Vergleich zu anderen Städten auch nicht wundert. Dennoch ist der Stadtpalast wirklich sehenswert und ein Besuch lohnt sich alle Mal. Der Grund, weshalb Bikaner mehr und mehr an Popularität gewinnt, ist sicherlich seine geografische Lage. Ist man auf dem Weg von Delhi nach Jaisalmer,  kommt man an einer Übernachtung eigentlich nicht vorbei. Tausende von Eindrücken prasseln  auf einen ein, während man über die mit Obst und Gemüse beladenen Märkte in Bikaner schlendert. Wie überall in Indien sind auch hier knatternde Tuk Tuks und heilige Kühe allgegenwärtig. Überall wimmelt es von Menschen, die alle irgendwie etwas zu tun haben. Außerhalb von Bikaner gibt es wohl noch eine sehenswerte Kamelfarm. Diese habe ich allerdings aus Zeitgründen nicht besichtigt.

4. Jaisalmer

Auf dem Weg nach Jaisalmer bemerkt man, wie man Stück für Stück näher an die Wüste Thar kommt. Jaisalmer liegt nur  60 Kilometer von der pakistanischen Grenze. Golden City wird die uralte Karawanenstadt dank ihrer goldbraunen Sandsteinhäuser genannt, die im warmen Licht der Abendsonne besonders schön leuchten. Während der Abendstunden erscheint Jaisalmer wie im Märchen. Am besten man erkundet die orientalisch anmutende Altstadt zu Fuß. Man muss sich einfach durch die engen Gassen des Forts treiben lassen. Streunende Hunde, knatternde Mopeds und unzählige heilige Kühe, die grundsätzlich mitten im Weg stehen, sorgen für typisch indische Atmosphäre. Die Stadt erscheint einem wie ein Labyrinth. Es gibt an jeder Ecke gemütliche Cafés, Teppichgeschäfte und Souvenirläden.

Als ich dort war, war es brennend heiß und so richtig gemütlich und schön wurde es erst abends als die Sonne schwächer wurde. Ich saß jeden Abend auf dem Hügel gegenüber der Altstadt, in einem Restaurant bei kühlem Bier und habe das bezaubernde Farbenspiel des Sonnenuntergangs genossen.

5. Jodphur

Es war mal wieder drückend heiß, als ich die Palastanlage von Jodphur eroberte. Ein Meer aus blau getünchten Häusern lag mir zu Füßen, als ich die Palastanlage des Meherangarh Fort besuchte und auf Jodhpur, die zweitgrößte Stadt Rajasthans, blickte. Es kam mir wie ein Deja-vu vor – die letzte blaue Stadt sah ich in Marokko, in Chefchaouen. Nach der beeindruckenden Fortbesichtigung erholte ich mich vor der Hitze in meinem Hotel. Gegen Abend fuhr ich mit dem TukTuk auf den chaotischen Sadar Market, in dessen Mitte ein imposanter, von den Briten erbauter, Clocktower aufragte. Dort kann man das pralle Leben einer indischen Großstadt hautnah erleben. Frauen saßen auf dem Boden und verkauften bunte Saris und Tücher für wenige Rupien, während die Männer ihre mit Granatäpfeln, Ingwer und Datteln beladenen Holzkarren durch die Gegend schoben. Pünktlich zum Sonnenuntergang saß ich dann mit einem kühlen Kingsfisher-Bier auf einer der vielen Dachterrassen in Jodhpur und genoss den Ausblick auf die blaue Stadt mit ihrer majestätischen Festung.

6. Udaipur

Egal wohin ich in Udaipur blickte, das einzige was ich sah waren Berge. Udaipur wird wegen ihrer Seen auch als Venedig des Ostens bezeichnet und sie gilt außerdem noch als romantischste Stadt Indiens. Als ich in meinem Hotelzimmer stand und aus dem Fenster blickte, habe ich diese Aussage verstanden. Ich hatte einen fantastischen Blick auf den malerischen Pichola See, in dessen Mitte das berühmte Lake Palace Hotel auf einer eigenen Insel lag. Dieser ehemalige Sommerpalast der Maharajas ist heute eines der besten und teuersten Hotels der Welt und diente schon als Filmkulisse für James Bond. Besonders beeindruckt hat mich der riesige Stadtpalast von Udaipur, der hoch oben über dem Pichola See thront und tolle Ausblicke auf die Stadt bot. Wenn du mehr über Udaipur erfahren möchtest, dann klicke hier.

7. Bundi

Das Erste was ich in Bundi sah, war das Taragarh Fort. Es ist die Hauptattraktion der über 100’000 Einwohnern zählenden Großstadt. Für indische Verhältnisse ist Bundi dennoch klein und übersichtlich. Das hat mir sehr gut gefallen, da ich auch noch in den Abendstunden die Stadt erkunden konnte. Ich fühlte mich zeitlich noch einmal zurückgeworfen. Die Menschen waren entspannt, ließen mich in Ruhe. Es herrschte eine unbeschreibliche Gelassenheit in den Straßen. Das Fort selbst erkundigte ich am nächsten Tag in den Morgenstunden. Kaum zu glauben, aber ich war der einzige Besucher auf dem ganzen Gelände.

Das Taragarh Fort ist bekannt für seine wunderschönen Wandmalereien. Ich war gespannt, was mich erwartete, denn ich hatte gelesen, dass es in einem sehr schlechtem Zustand sei. Es drohe an vielen Orten zusammenzufallen und von der Natur überwuchert zu werden. Auf dem Weg zum Fort ging es steil bergauf und der Anstieg brachte mich ins schwitzen. Als ich dann schließlich im Innern der Festungsanlage war, bemerkte ich den fürchterlichen Geruch der Fledermäuse. Es war kaum auszuhalten und es war wirklich so, wie ich es gelesen hatte. Die ganze Anlage drohte zu verfallen und dennoch wirkten die alten Gemäuern wie ein Zauber auf mich. Gepaart mit dem fantastischen Ausblick auf Bundi, blieb mir der Besuch nachhaltig in Erinnerung.

8. Jaipur

Pink City nennt sich Jaipur, die Hauptstadt von Rajasthan, deren majestätische Gebäude 1876 anlässlich des Staatsbesuches von Prinz Albert orange-rosa gestrichen wurde. Seither erstrahlt die ummauerte Altstadt in der Begrüßungsfarbe der Rajputen in Pink!  In Jaipur gab es viel zu sehen: die prächtige Palastanlage des Amber Forts, das Nahargarh Fort, von wo man einen grandiosen Blick auf die aus allen Nähten platzende Stadt hat, sowie den Wasserpalast Jal Mahal, der inmitten des Man Sagar Sees lag. Auch Jaipurs City Palast mit seinen zauberschönen, knallbunten Toren ist einen Besuch wert. Wenn du mehr wissen willst, dann klicke bitte hier.

9. Agra

Der letzte Stop meiner Reise war die 2 Millionen Einwohner zählende Stadt Agra, im Bundesstaat Uttar Pradesh, die weltweit als Heimat des Taj Mahal bekannt ist. Ich war ein Jahr davor, schon mal in Agra um das Taj Mahal zu sehen. Es ist sicherlich der Traum aller Indienreisenden einmal vor dem Taj Mahal zu stehen. Auch beim zweiten Besuch lief mir ein Schauer über den Rücken, als ich vor dem schönen Märchenschloss aus strahlend weißem Marmor stand. Das Taj Mahal ist ein magischer Ort. Die Stimmung an diesem Ort lässt sich kaum in Worte fassen. Dass tausende Besucher aus aller Welt wie Ameisen um das Gebäude wimmeln, nimmt dem magischen Zauber nicht viel. Der Anblick des Taj Mahal ist wirklich ein Erlebnis und für mich war es der perfekte Abschluss einer faszinierenden Reise durch den Norden Indiens. Danach fuhr ich über die vor ein paar Jahren neu gebaute Autobahn nach Delhi und bestieg noch am selben Tag mein Flugzeug nach Hause.

 

Written by Reisen macht froh