
Hongkong empfing uns nicht mit einem großen Wow-Moment. Es war eher dieses langsame Ankommen, irgendwo zwischen Müdigkeit, Vorfreude und den ersten Blicken aus dem Fenster des Airport Express. Draußen zogen Brücken und Hochhäuser vorbei, während wir Richtung Kowloon fuhren. Noch war alles neu, noch schwer zu greifen — aber genau darin lag der Reiz. Hongkong lag vor uns, dicht, fremd und faszinierend.

In Kowloon angekommen, stiegen wir aus der Metro aus und machten uns auf der Suche nach unserem Hotel.
Eigentlich klang alles ganz einfach. Wir hatten die Adresse, wir wussten ungefähr, wo wir hin mussten, und dachten, in wenigen Minuten eingecheckt zu haben. Stattdessen standen wir plötzlich vor einem riesigen Gebäudekomplex, der auf den ersten Blick geordnet wirkte – und im nächsten Moment völlig undurchschaubar. Mehrere Eingänge, unzählige Schilder, Menschen, die genau zu wissen schienen, wohin sie wollten, während wir erst einmal stehen blieben und suchten.
Wir liefen ein Stück, drehten wieder um, fragten nach, verglichen noch einmal die Adresse und fanden schließlich den richtigen Eingang. Oder besser gesagt: den richtigen Lift. Denn der Empfang unseres Hotels lag nicht etwa unten hinter einer Rezeption, sondern im 17. Stock.

Oben angekommen wartete kein großzügiger Empfangsbereich auf uns, sondern ein schmaler Flur, mehrere Türen und wenig Platz. Alles wirkte eng, etwas improvisiert und gleichzeitig vollkommen selbstverständlich. Als hätte sich das Hotel einfach in dieses Gebäude eingefügt, ohne Aufhebens, ohne großes Willkommen, einfach als Teil dieser Stadt.
Dann öffneten wir die Tür zu unserem Zimmer. Sieben Quadratmeter. Zwei Betten, ein schmaler Gang, gerade genug Platz für unsere Rucksäcke. Mehr nicht. Kein Luxus, kein Designhotel, kein Ort, an dem man lange verweilen würde. Und trotzdem hatte dieser Raum sofort etwas Ehrliches. Er passte zu diesem ersten Eindruck von Hongkong: dicht, effizient, überraschend.
Rückblickend war das vielleicht der eigentliche Anfang unserer Reise. Nicht die Ankunft am Flughafen, nicht die ersten Blicke auf die Stadt, sondern dieser Moment zwischen Aufzug, schmalem Flur und einem Zimmer, das kaum größer war als unsere Vorstellung davon. Hongkong fühlte sich vom ersten Augenblick an anders an.
Bevor es zu unseren einzelnen Highlights geht, vielleicht noch ein kurzer Gedanke: Die Stadt lässt sich schwer mit anderen asiatischen Metropolen vergleichen — und genau das macht sie so spannend.

Bangkok ist chaotisch, laut, heiß und überwältigend, aber auf eine ganz andere Art. Tokio ist riesig, perfekt organisiert und trotz seiner Größe erstaunlich leise — eine Stadt, die einen beeindruckt, aber selten überrollt. Singapur wirkt dagegen fast wie eine asiatische Zukunftsvision: sauber, grün, effizient und an vielen Stellen sehr kontrolliert. Kuala Lumpur ist weitläufiger, autolastiger und zu Fuß deutlich weniger zugänglich. Jakarta war für uns die Stadt, mit der wir am wenigsten warm geworden sind: viel Verkehr, viel Lärm, viel Anstrengung — aber vergleichsweise wenig, das uns wirklich begeistert oder lange begleitet hat.
Hongkong liegt irgendwo dazwischen — und ist gleichzeitig ganz anders. Auf uns wirkte die Stadt manchmal wie das asiatische New York: dicht, vertikal, laut, energiegeladen und ständig in Bewegung. Eine Stadt, die einen nicht sanft an die Hand nimmt, sondern direkt hineinzieht. Zwischen Hochhäusern, Märkten, Fähren, Tempeln, Rolltreppen, Neonlichtern und grünen Hügeln passiert ständig etwas.
Hongkong ist nicht immer bequem, aber unglaublich lebendig. Vielleicht hat uns genau das so gefallen: diese Mischung aus Großstadt, Wasser, Bergen, Alltag und kleinen Brüchen. Man kann morgens durch einen Fischmarkt laufen, mittags mit der Fähre über den Victoria Harbour fahren, nachmittags auf einen Hügel steigen und abends zwischen Leuchtreklamen essen gehen.
Und damit kommen wir zu den Orten, die für uns Hongkong besonders gemacht haben.
Hongkong Sehenswürdigkeiten: Top Highlights
A. Hongkong Islands1. Die Star Ferry in Hongkong 2. Victoria Peak 3. Der Man Mo Tempel 4. Central Mid-Levels Escalator 5. Mit der Ding Ding Tram durch Hongkong 6. Abstecher nach Kennedy Town 7. Monster Building in Quarry Bay 8. Schlendern durch die Sun Street
1. Die Star Ferry in Hongkong
Eine Fahrt mit der Star Ferry gehört bei einer Reise nach Hongkong einfach dazu. Die Fähre bringt dich von Hong Kong Island nach Kowloon und wieder zurück.

Schon während der kurzen Überfahrt hast du einen fantastischen Blick auf die Skyline – und genau das macht die Fahrt so besonders. Hongkong vom Wasser aus zu sehen, ist noch einmal etwas ganz anderes und sollte bei keinem Besuch fehlen.
Außerdem fährt die Star Ferry sehr regelmäßig, ist überraschend günstig und braucht für die Strecke nur rund zehn Minuten.
2. Victoria Peak
Der Victoria Peak ist zwar eines der beliebtesten Ausflugsziele in Hongkong, trotzdem solltest du dir den Besuch auf keinen Fall entgehen lassen. Der Blick von oben über die Stadt ist einfach spektakulär. Von hier aus siehst du weite Teile von Hong Kong Island, von Central bis Causeway Bay, und gleichzeitig auf die Skyline von Kowloon.
Besonders schön ist der Besuch kurz vor Sonnenuntergang. Dann erlebst du Hongkong gleich in zwei ganz unterschiedlichen Stimmungen: erst im Tageslicht und wenig später bei Nacht, wenn überall die Lichter der Stadt zu leuchten beginnen. Genau dann zeigt sich Hongkong von seiner vielleicht schönsten Seite.
Anfahrt Victoria Peak mit der Peak Tram
So würden wir es wieder machen: mit der Peak Tram hoch und mit dem Bus zurück. Genau diese Kombination haben wir selbst gewählt, und aus unserer Sicht ist sie für den Victoria Peak einfach am sinnvollsten.

Die Fahrt mit der Peak Tram gehört in Hongkong irgendwie dazu. Deshalb wollten wir sie unbedingt mitnehmen. Wirklich wichtig ist dabei aber die Octopus Card. Damit kannst du direkt zum Eingang gehen und dich sofort in die Schlange einreihen, ohne vorher noch am Ticketschalter anzustehen. Gerade hier ist das ein echter Vorteil, denn rund um die Tram wird es schnell voll.

Schon die kurze Fahrt nach oben macht Spaß. Man merkt sofort, wie steil es hinaufgeht, und genau das macht die Peak Tram zu mehr als nur einem Verkehrsmittel. Oben angekommen wartet dann natürlich der Blick über die Stadt.
Tipp: wenn du aus dem Gebäude rauskommst, halte dich links und gehe ca. 100 Meter, dann kommst du auf einen kleinen Aussichtsbalkon. Von dort hast du einen fantastischen Blick über die Stadt.
Zurück sind wir ganz bewusst mit dem Bus gefahren. Das würden wir auch genauso empfehlen. So spart man sich das oft erneute Anstehen an der Tram, ist deutlich günstiger und kommt entspannter wieder nach unten. Für uns war genau diese Mischung ideal: einmal die Peak Tram erleben, danach aber ganz unkompliziert mit dem Bus zurückfahren.
3. Der Man Mo Tempel
Der Man-Mo-Tempel ist nicht nur der älteste, sondern für uns auch der schönste Tempel in Hongkong. Mitten zwischen den Hochhäusern wirkt der 1847 erbaute Tempel wie eine kleine Oase der Ruhe.

Ganz ungetrübt ist der Besuch allerdings nicht: Im Inneren hängen Hunderte Räucherspiralen, deren Rauch die Luft ziemlich schwer macht. Angenehm zum Atmen ist das nicht unbedingt, aber optisch ist es einfach beeindruckend und sorgt für eine ganz besondere Atmosphäre.
Geöffnet ist der Man-Mo-Tempel täglich von 8:00 bis 18:00 Uhr.

4. Central Mid-Levels Escalator
Die Central Mid-Levels Escalator gehört für uns zu den spannendsten Ecken in Hongkong. Eigentlich ist sie kein klassisches Sightseeing-Highlight, sondern ein riesiges System aus Rolltreppen und überdachten Laufbändern. Auf rund 800 Metern verbindet sie das geschäftige Central mit den höher gelegenen Mid-Levels und zählt damit zu den bekanntesten Rolltreppenanlagen der Stadt.

Während der Fahrt bekommt man einen richtig schönen Eindruck vom Alltag in Hongkong. Man gleitet vorbei an Wohnhäusern, kleinen Läden, Cafés, Bars und immer wieder an den steilen Straßen, für die die Stadt so bekannt ist. Gerade das fanden wir besonders cool: Man ist mittendrin statt nur daneben und entdeckt ganz nebenbei Ecken, die man zu Fuß vielleicht übersehen würde.
Lange galt die Anlage in Hongkong als die längste überdachte Outdoor-Rolltreppe der Welt. Inzwischen wurde sie allerdings von einer noch größeren Anlage in China abgelöst: In Wushan bei Chongqing eröffnete im Februar 2026 die sogenannte „Goddess Escalator“, ein über 900 Meter langes System aus mehreren Rolltreppen, Aufzügen und Laufbändern.

Trotzdem bleibt die Central Mid-Levels Escalator für Besucher ein echtes Erlebnis — nicht nur, weil sie praktisch ist, sondern weil man Hongkong hier auf eine ziemlich besondere Art erleben kann.
Tipp: wir sind die Rolltreppe einmal ganz nach oben gefahren und danach machten wir uns bergabwärts auf Erkundungstour und haben das Viertel drumherum für uns entdeckt.
5. Mit der Ding Ding Tram durch Hongkong
Eine der schönsten Arten, Hongkong zu erleben, ist nicht besonders schnell. Sie ist auch nicht besonders bequem. Und genau deshalb ist sie so gut.

Die Ding Ding Tram fährt gemächlich durch den Norden von Hong Kong Island, vorbei an Hochhäusern, Geschäften, Märkten, Straßenkreuzungen und Menschen, die irgendwohin unterwegs sind. Schon der Name klingt ein bisschen verspielt, und tatsächlich hat diese Fahrt etwas Leichtes. Während draußen die Stadt vorbeizieht, sitzt man oben im Doppeldecker und schaut einfach hinaus.
Wir stiegen ohne großen Plan ein. Kein festes Ziel, keine Sehenswürdigkeit, die unbedingt abgehakt werden musste. Es ging eher darum, ein Stück Alltag mitzunehmen. Die Tram ruckelte durch die Straßen, hielt immer wieder an, ließ Menschen ein- und aussteigen. Büroangestellte, ältere Damen mit Einkaufstaschen, Touristen mit Kameras. Für einen Moment war man Teil dieses Rhythmus.
Besonders schön war der Blick aus dem oberen Stockwerk. Von dort sieht Hongkong noch dichter aus: Schilder hängen über der Straße, Busse schieben sich durch den Verkehr, zwischen modernen Fassaden tauchen immer wieder ältere Häuser auf. Alles wirkt eng, lebendig und gleichzeitig erstaunlich geordnet.
Die Ding Ding Tram ist keine Fahrt, bei der viel passiert. Und trotzdem bleibt sie im Kopf. Vielleicht, weil man Hongkong hier nicht als große Skyline erlebt, sondern auf Augenhöhe. Langsam genug, um Details zu sehen. Schnell genug, um sich treiben zu lassen.
Am Ende war es genau das: keine spektakuläre Attraktion, sondern ein kleines Stück Hongkong, das sich ganz nebenbei besonders echt angefühlt hat.
6. Abstecher nach Kennedy Town
In Kennedy Town kamen wir mit der U-Bahn an und merkten sofort, dass sich Hongkong hier etwas anders anfühlt. Der Stadtteil wirkte ruhiger, offener und weniger dicht als viele andere Ecken der Stadt. Nicht still, aber entspannter.

Zwischen kleinen Cafés, Wohnhäusern und Straßen mit Blick Richtung Wasser zeigte sich Hongkong von einer angenehm unaufgeregten Seite. Man konnte einfach ein Stück laufen, stehen bleiben, aufs Meer schauen und beobachten, wie der Alltag um einen herum weiterging.
Kennedy Town war für uns kein großer Programmpunkt, eher ein Zwischenstopp zum Ankommen und Durchatmen. Aber gerade das machte den Ort besonders: Hongkong zeigte sich hier nicht spektakulär, sondern beinahe beiläufig — und genau deshalb blieb es bei uns hängen.

7. Monster Building in Quarry Bay

Ein Ort auf Hong Kong Island, der uns besonders in Erinnerung geblieben ist, war das Monster Building in Quarry Bay. Schon der Name klingt nach etwas Großem, und tatsächlich wirkt dieser Wohnkomplex ziemlich überwältigend, wenn man plötzlich mittendrin steht.
Zwischen den hohen Fassaden fühlt man sich für einen Moment ganz klein. Fenster, Balkone und Klimaanlagen ziehen sich Etage für Etage nach oben, so dicht und regelmäßig, dass man kaum weiß, wohin man zuerst schauen soll. Es ist kein Ort, an dem viel passiert — und trotzdem steht man da und staunt.

Gerade das machte das Monster Building für uns so spannend. Es ist keine klassische Sehenswürdigkeit mit Eintritt, Aussichtspunkt oder festem Rundgang. Es ist ein Wohnort, ein Stück Alltag, und gleichzeitig einer dieser Orte, die Hongkong auf besondere Weise zeigen: eng, hoch, urban und faszinierend.
Für uns passte Quarry Bay deshalb perfekt zu Hong Kong Island. Nach Central, dem Peak oder den bekannten Straßen der Stadt zeigte sich hier noch einmal eine andere Seite: weniger glänzend, weniger inszeniert, aber mindestens genauso eindrucksvoll.

8. Schlendern durch die Sun Street
Die Sun Street auf Hong Kong Island liegt in Wan Chai, in einem kleinen Viertel rund um Sun, Moon und Star Street. Schon die Namen dieser Straßen haben etwas Poetisches: Sie erinnern an die Zeit, als in der Nähe das erste Elektrizitätswerk Hongkongs entstand und die Stadt begann, vom neuen elektrischen Licht erhellt zu werden.

Heute wirkt die Sun Street eher still und charmant – keine große, laute Sehenswürdigkeit, sondern eine kleine Straße mit besonderer Atmosphäre. Zwischen Cafés, Boutiquen und alten Stadtspuren erzählt sie auf leise Weise etwas über Hongkong: über Wandel, Licht, Geschichte und das Leben in den Zwischenräumen einer großen Stadt.
B. Kowloon1. Tsim Sha Tsui Promenade 2. Sham Shui Po – Hongkong ohne Hochglanz 3. Pei Ho Street Market 4. Ten Thousand Buddhas Monastery 5. Choi Hung Estate Rooftop Basketball Court
1. Tsim Sha Tsui Promenade
Die Tsim Sha Tsui Promenade gehört zu den Orten in Hongkong, an denen die Stadt sich fast wie eine Bühne zeigt. Auf der einen Seite liegt das Wasser des Victoria Harbour, auf der anderen öffnet sich der Blick zur Skyline von Hong Kong Island – dicht, leuchtend, beeindruckend und zugleich erstaunlich ruhig, wenn man dort einfach stehen bleibt und schaut.

Die Promenade verläuft am Ufer von Kowloon und ist einer der schönsten Orte, um Hongkong nicht nur als laute Metropole, sondern auch als Stadt am Wasser zu erleben. Besonders am Abend, wenn die Lichter der Hochhäuser im Hafen spiegeln, entsteht eine fast filmische Atmosphäre. Nicht zufällig liegt hier auch die Avenue of Stars, die an die große Geschichte des Hongkonger Films erinnert.

Für mich ist die Tsim Sha Tsui Promenade deshalb mehr als nur ein Aussichtspunkt. Sie ist ein Ort des Übergangs: zwischen Kowloon und Hong Kong Island, zwischen Bewegung und Innehalten, zwischen Großstadtenergie und einem Moment von Weite. Vielleicht ist gerade das ihr besonderer Zauber – dass man dort mitten in Hongkong steht und für einen Augenblick trotzdem Raum zum Atmen findet.
2. Sham Shui Po – Hongkong ohne Hochglanz
Sham Shui Po ist kein Stadtteil, der sich sofort in Pose wirft. Keine gläsernen Fassaden, keine Rooftop-Bars, kein Hongkong für die Postkarte. Wer hier aus der MTR steigt, landet mitten im Alltag: unter Markisen, zwischen Kabelrollen, Stoffballen, dampfenden Garküchen und Schildern, die sich über den Straßen stapeln.

Gerade deshalb lohnt sich Sham Shui Po.
Auf der Apliu Street reihen sich Elektronikstände aneinander: Adapter, alte Kameras, Kabel, gebrauchte Geräte. Ein paar Straßen weiter geht es um Stoffe, Knöpfe, Spielzeug und Dinge, von denen man vorher nicht wusste, dass man sie suchen könnte. Sham Shui Po ist ein Viertel zum Herumstreunen, nicht zum Abarbeiten.
Zwischendurch riecht es nach gebratenem Teig, Brühe, süßem Dessert und warmem Asphalt. Wer Hunger hat, findet kleine Läden, einfache Gerichte und dieses bodenständige Hongkong, das ohne große Inszenierung auskommt. Sham Shui Po ist nicht schön poliert, sondern gebraucht, dicht und lebendig.

Wer Hongkong nur von Central, Tsim Sha Tsui oder Victoria Harbour kennt, sollte hierherkommen. Nicht für den großen Blick auf die Skyline, sondern für die kleinen Blicke.
3. Pei Ho Street Market
Ein paar Schritte weiter wird Sham Shui Po noch alltäglicher. Auf dem Pei Ho Street Market geht es vor allem um Fisch. Zwischen nassen Böden, Wasserbecken, Kisten und dem schnellen Griff der Händler zeigt sich ein Hongkong, das wenig beschönigt. Daneben gibt es Fleisch, Gemüse und all die Dinge, die ein Markt eben braucht, wenn er nicht für Besucher gemacht ist, sondern für den täglichen Einkauf.

Was uns besonders hängen geblieben ist: Auf dem Markt wurden auch lebendige Kröten verkauft. Sie wurden abgewogen, in Plastiktüten gepackt und direkt vor Ort mit einem großen Messer getötet.
Es sind Bilder, die man nicht so schnell vergisst. Faszinierend, weil dieser Markt so unmittelbar und unverstellt ist — aber auch verstörend. Spätestens in solchen Momenten erinnert man sich sehr deutlich daran, warum man sich irgendwann entschieden hat, vegetarisch zu leben.

Genau darin liegt die Wucht dieses Marktes. Er ist nicht schön im klassischen Sinn, nicht bequem und sicher auch nicht für jeden angenehm. Aber er ist echt. Man läuft zwischen Ständen, Stimmen, Gerüchen und kleinen Schocks hindurch und merkt, wie nah hier Essen, Alltag und Tier zugleich beieinanderliegen.

4. Ten Thousand Buddhas Monastery
Nach Sham Shui Po wirkt das Ten Thousand Buddhas Monastery fast wie ein Gegenpol. Raus aus der Enge der Märkte, hinein nach Sha Tin, wo der Weg erst einmal bergauf führt. Das Kloster liegt in den New Territories und ist vor allem für seinen Aufstieg bekannt: Stufe um Stufe, flankiert von goldenen Buddha-Figuren, die alle ein wenig anders schauen, sitzen, lächeln oder gestikulieren.

Oben angekommen, wartet keine stille Minimalismus-Ästhetik, sondern ein fast überbordender Ort: Tempelhallen, eine Pagode, rote Geländer, goldene Figuren, Räucherstäbchen, Ausblicke über Sha Tin. Offiziell beherbergt die Anlage mehr als 12.000 Buddha-Statuen — der Name ist also eher eine Untertreibung.

Was uns gefallen hat: Der Weg ist hier fast wichtiger als das Ziel. Man steigt langsam hinauf, kommt ins Schwitzen, bleibt immer wieder stehen und entdeckt zwischen den Figuren kleine Unterschiede. Manche wirken ernst, andere verschmitzt, manche fast komisch.
Nach den nassen Böden und Fischständen von Sham Shui Po ist dieser Ort ein Durchatmen. Nicht unbedingt ruhiger — dafür ist auch hier zu viel zu sehen — aber weiter, heller, luftiger. Ein Ort, der zeigt, dass Hongkong nicht nur Dichte kann, sondern auch Hügel, Tempelwege und goldene Überraschungen.

Das Ten Thousand Buddhas Monastery ist kein versteckter Geheimtipp mehr. Aber der Aufstieg lohnt sich trotzdem. Vielleicht gerade deshalb, weil man sich den Ort ein wenig erlaufen muss.
5. Choi Hung Estate Rooftop Basketball Court
Manchmal reicht in Hongkong ein Basketballfeld, um berühmt zu werden. Der Choi Hung Estate Rooftop Basketball Court liegt nicht irgendwo spektakulär über der Skyline, sondern auf dem Dach eines Parkhauses, mitten in einer Wohnsiedlung. Genau das macht den Ort so besonders. Vor einem steht der Basketballkorb, darunter die bunten Linien des Spielfelds, dahinter die pastellfarbenen Fassaden der Choi Hung Estate— Fenster, Klimaanlagen, Wäsche, Balkone, Alltag. Kein Bühnenbild, auch wenn es auf Fotos fast so wirkt.

Anreise: MTR bis Choi Hung Station, dann zu Fuß weiter; nimm die Ausgänge C3 oder C4, der Court selbst liegt auf dem Parkhausdach und nicht auf Straßenniveau.
Natürlich ist der Ort längst kein Geheimtipp mehr. Zu perfekt ist diese Mischung aus Farbe, Symmetrie und Großstadt. Man versteht sofort, warum hier Menschen mit Kameras stehen. Gleichzeitig sollte man nicht vergessen, dass man sich in einer Wohnanlage befindet. Über den bunten Court hinaus ist Choi Hung Estate vor allem das Zuhause vieler Menschen — und kein reines Fotostudio.

Wir fanden genau diesen Widerspruch spannend: unten Alltag, oben Instagram-Ikone. Ein Ort, der auf Fotos fast grafisch wirkt, aber in Wirklichkeit viel lebendiger ist. Kinder spielen, Leute laufen vorbei, irgendwo hängt Wäsche im Fenster. Und mittendrin steht dieser Basketballkorb, als hätte ihn jemand absichtlich genau dort hingestellt, wo Hongkong für einen Moment besonders fotogen aussieht.
Der Choi Hung Estate Rooftop Basketball Court ist schnell besucht. Aber er bleibt hängen — nicht nur wegen der Farben, sondern wegen der Frage, wie viel Inszenierung ein Ort verträgt, der eigentlich ganz normaler Alltag ist.
Tagesausflug nach Lantau Island
Von Hongkong Island fährt man mit der Metro bis Tung Chung. Von hier ist es nur noch ein kurzer Weg zur Talstation der Seilbahn Ngong Ping 360. Theoretisch klingt das nach einem entspannten Start in den Tag. Praktisch standen wir erst einmal eineinhalb Stunden an. Das sollte man wissen, bevor man zu knapp plant oder schon hungrig in die Warteschlange geht.

Unser Tipp: Tickets unbedingt online kaufen — und wenn möglich die Crystal Cabin buchen. Die Kabinen mit Glasboden kosten minimal mehr, aber die Schlange war deutlich kürzer. Sitzt man dann endlich in der Kabine, schiebt sich die Kapsel über Hügel, Wasser, Wald und Straßen. Unter einem wird Hongkong plötzlich weit. Oben in Ngong Ping warten dann der Tian Tan Buddha, das Po Lin Monastery und diese Mischung aus spirituellem Ort, Ausflugsziel und gut organisierter Touristenmaschine.

Ngong Ping ist gut erschlossen, es wirkt fast wie ein touristisches Dorf. Der Buddha ist groß, ja. Beeindruckender fanden wir fast den Moment, wenn man oben steht und merkt, wie viel Landschaft Hongkong eigentlich hat.

Das Fischerdorf Tai O
Später sind wir weiter nach Tai O gewandert. Das Fischerdorf ist noch einmal ein ganz anderes Lantau. Nach der Seilbahn, dem Big Buddha und den vielen Besucherwegen wird es hier ruhiger, enger und langsamer. Das alte Fischerdorf liegt am Wasser, mit Stelzenhäusern, kleinen Brücken, Booten und schmalen Gassen, in denen es nach Meer, getrocknetem Fisch und Räucherstäbchen riecht.

Für uns war Lantau vor allem ein Perspektivwechsel. Nach Tagen voller Märkte, Neon, Straßenlärm und enger Gassen tut diese Insel gut. Nicht, weil sie still wäre. Sondern weil sie Platz macht — für Aussicht, für Schritte, für Wind und für das Gefühl, dass Hongkong viel größer ist als seine Skyline.
Wann reist man am besten nach Hongkong? Wer Hongkong bei möglichst angenehmem Wetter erleben möchte, reist am besten im Frühling oder im Herbst. Dann ist es meist warm, aber nicht drückend heiß, und auch der Regen spielt deutlich seltener eine Rolle. Für einen Städtetrip sind das fast ideale Bedingungen. Im Sommer zeigt sich Hongkong dagegen oft von seiner tropischen Seite: hohe Temperaturen, viel Luftfeuchtigkeit und regelmäßiger Regen. Im Winter ist das Klima zwar weiterhin recht mild, vor allem im Vergleich zu Europa. Trotzdem gibt es gerade zu Jahresbeginn in Asien Reiseziele, die insgesamt etwas angenehmer sind.
Welche Einreisedokumente brauche ich für Hongkong? Für die Einreise nach Hongkong brauchst du einen Reisepass, der noch mindestens sechs Monate gültig ist. Wenn du weniger als 90 Tage bleibst, benötigst du in der Regel kein Visum. Auch die Einreise selbst ist unkompliziert: Formulare mussten wir nicht ausfüllen, und einen klassischen Stempel in den Reisepass gibt es inzwischen ebenfalls nicht mehr.
Wie bezahlt man in Hongkong? Bezahlt wird in Hongkong mit dem Hong Kong Dollar, kurz HKD. Als grobe Orientierung kannst du dir merken: Ein Euro entspricht etwa 9 HKD. Bargeld bekommst du zwar problemlos an Geldautomaten, oft brauchst du es aber gar nicht. Am praktischsten ist die Octopus Card, die du dir zum Beispiel direkt ins iPhone-Wallet laden kannst. Damit bezahlst du ganz einfach Bus, Bahn und viele kleinere Einkäufe. Daneben werden auch Kreditkarten fast überall akzeptiert. Insgesamt ist bargeldloses Bezahlen in Hongkong also wirklich unkompliziert.
Wie groß ist der Zeitunterschied zu Hongkong? Hongkong hat keine Sommerzeit. Deshalb verändert sich der Zeitunterschied zu Deutschland im Laufe des Jahres leicht: Im Winter ist Hongkong sieben Stunden voraus, im Sommer sechs Stunden.
Wo liegt Hongkong? Hongkong gehört zwar zu China, nimmt aber eine besondere Rolle ein: Als Sonderverwaltungszone hat die Stadt in vielen Bereichen eigene Gesetze. Hongkong liegt im Südosten Chinas am Südchinesischen Meer. Zum Gebiet gehören Kowloon, die New Territories auf dem Festland und außerdem mehrere Inseln. Mit nur 1.104 Quadratkilometern ist Hongkong flächenmäßig nur wenig größer als Berlin – hat dabei aber mehr als doppelt so viele Einwohner. Genau das erklärt auch, warum die Stadt an vielen Stellen so dicht, lebendig und intensiv wirkt.
Wie lange sollte man für Hongkong einplanen? Für Hongkong sollte man sich nicht zu wenig Zeit nehmen. Die Stadt ist dicht, schnell und voller Eindrücke — und gleichzeitig gibt es immer wieder Orte, an denen man langsamer unterwegs sein möchte. Wir waren insgesamt sieben Nächte in Hongkong und aus unserer Sicht war das genau richtig. Genug Zeit, um die Klassiker wie Victoria Harbour, Central oder den Big Buddha mitzunehmen, aber auch, um Viertel wie Sham Shui Po in Ruhe zu erkunden, nach Lantau Island zu fahren oder sich einfach treiben zu lassen. Gerade weil Hongkong so intensiv ist, fanden wir es angenehm, nicht jeden Tag komplett durchplanen zu müssen. Sieben Nächte geben einem die Freiheit, auch mal länger auf einem Markt zu bleiben, spontan mit der Fähre zu fahren oder einen Ort ein zweites Mal zu besuchen. Für uns waren sieben Nächte perfekt: nicht zu kurz, um nur an der Oberfläche zu kratzen, und nicht zu lang, um das Gefühl zu verlieren, mitten in einer Stadt voller Energie unterwegs zu sein.
Wo in Hongkong übernachten? Die Frage, wo man in Hongkong übernachten sollte, hängt stark davon ab, wie man die Stadt erleben möchte. Hongkong ist sehr gut angebunden, sodass man mit der MTR fast überall unkompliziert hinkommt. Trotzdem macht die Lage viel aus — vor allem, wenn man abends noch spontan losziehen oder nicht ständig lange Wege haben möchte. Für den ersten Besuch würde ich eine Unterkunft auf Hong Kong Island oder in Kowloon empfehlen. Beide Seiten haben ihren eigenen Reiz. Hong Kong Island fühlt sich etwas urbaner, internationaler und geschäftiger an. Wer gerne nahe an Central, den Fähren, Bars, Restaurants und der Peak Tram wohnen möchte, ist hier gut aufgehoben. Besonders praktisch sind Gegenden wie Central, Sheung Wan oder Wan Chai. Kowloon ist dichter, direkter und für uns oft näher am klassischen Hongkong-Gefühl. Von Tsim Sha Tsui hat man den Blick auf die Skyline, ist schnell an der Star Ferry und abends mitten im Geschehen. Wir würden vor allem darauf achten, in der Nähe einer MTR-Station zu wohnen. Das macht in Hongkong einen großen Unterschied. Die Stadt ist zwar groß, aber mit guter Anbindung fühlt sie sich erstaunlich machbar an. Wir selbst haben die ersten fünf Nächte direkt an der Tsim Sha Tsui Station gewohnt und anschließend noch zwei Nächte auf Hong Kong Island. Beides war praktisch, gut angebunden und für einen ersten Besuch absolut sinnvoll. Rückblickend würden wir beim nächsten Mal wahrscheinlich die gesamte Zeit auf Hong Kong Island übernachten. Nicht, weil Tsim Sha Tsui keine gute Wahl wäre — im Gegenteil. Die Unterschiede sind eher feine Nuancen. Aber Hong Kong Island fühlte sich für uns am Ende noch etwas angenehmer an: ein bisschen entspannter, etwas vielseitiger für den Abend und trotzdem perfekt angebunden. Trotzdem gilt: Viel falsch machen kann man nicht, solange die Unterkunft in der Nähe einer MTR-Station liegt. In Hongkong ist die Lage wichtig, aber die Stadt funktioniert so gut, dass man auch von Kowloon schnell überall hinkommt.

1. Die Star Ferry in Hongkong
2. Victoria Peak
3. Der Man Mo Tempel
4. Central Mid-Levels Escalator
5. Mit der Ding Ding Tram durch Hongkong
6. Abstecher nach Kennedy Town
7. Monster Building in Quarry Bay
8. Schlendern durch die Sun Street
1. Tsim Sha Tsui Promenade
2. Sham Shui Po – Hongkong ohne Hochglanz
3. Pei Ho Street Market
4. Ten Thousand Buddhas Monastery
5. Choi Hung Estate Rooftop Basketball Court