Hiroshima heute: Zwischen bewegender Geschichte und lebendiger Gegenwart

Als wir unsere Japan-Reise geplant haben, stand für uns von Anfang an fest: Hiroshima darf auf keinen Fall fehlen. Der Name der Stadt löst sofort Bilder, Emotionen und Fragen aus – selbst wenn man noch nie dort war. Auch in uns war dieses diffuse Gefühl aus Respekt, Betroffenheit und Neugier. Wie mag es sich anfühlen, an einem Ort zu stehen, der so eng mit einem der dunkelsten Kapitel der Geschichte verbunden ist? Und wie lebt eine Stadt weiter nach einer solchen Katastrophe?

Als wir dann tatsächlich in Hiroshima aus dem Zug stiegen, war unser erster Eindruck jedoch ein ganz anderer als erwartet: Statt Schwere und Dunkelheit empfing uns eine unglaublich freundliche, ruhige und moderne Stadt. Breite Straßen, Straßenbahnen, Grünflächen – und Menschen, die lächeln, zur Arbeit gehen, mit Freunden unterwegs sind. Hiroshima ist heute viel mehr als ein Symbol. Es ist eine Stadt des Friedens, die ihre Vergangenheit nicht versteckt, sondern ihr mit offenen Augen begegnet.

In diesem Blogartikel nehmen wir dich mit auf unseren Besuch in Hiroshima: vom Friedenspark und dem Peace Memorial Museum über stille Ecken entlang des Flusses bis hin zu Momenten, in denen wir einfach nur das ganz normale Stadtleben beobachtet haben – und genau darin so viel Hoffnung gefunden haben.

Viele Orte in Hiroshima erzählen Geschichten: von Menschen, die den Angriff nicht überlebt haben, von Kindern, die später an den Folgen der Strahlung starben, und von Überlebenden, die ihr Leben dem Frieden gewidmet haben. Beim Besuch dieser Stätten fühlen wir uns weniger wie klassische Sightseeing-Touristen und mehr wie Gäste, die eingeladen sind, zuzuhören, hinzuschauen und nicht zu vergessen. Hiroshima ist dadurch nicht nur ein Reiseziel, sondern auch ein Ort des Lernens und des Innehaltens – eine Stadt, die uns immer wieder daran erinnert, wie kostbar Frieden ist.

I. Der Friedenspark

Der Friedenspark in Hiroshima liegt mitten in der Stadt und ist heute eine weitläufige, grüne Anlage mit Wegen, Rasenflächen und Blick auf den Fluss. Auf dem Gelände stehen mehrere Denkmäler und Gedenkorte, darunter das Kinder-Friedensdenkmal, die Friedensglocke und verschiedene Tafeln mit Informationen zum Atombombenabwurf vom 6. August 1945.

Vom Park aus hat man auch einen guten Blick auf den Atombombendom, der als Ruine erhalten geblieben ist. Wir mussten sehr zügig durch den Park gehen, da  die Temperaturen bei unserem Besuch so enorm hoch waren, dass wir auf keiner Parkbank gemütlich sitzen bleiben konnten.

II. Der A-Bomb Dome

Der A-Bomb Dome (Genbaku Dome) ist das bekannteste Wahrzeichen Hiroshimas und steht direkt am Fluss, am Rand des Friedensparks. Das Gebäude war früher die Industrie- und Ausstellungshalle der Präfektur Hiroshima, also eine Art Messe- und Präsentationsgebäude für regionale Produkte – keine Kirche, auch wenn die Kuppelruine auf Fotos oft so wirkt.

Nach dem Atombombenabwurf 1945 blieb nur dieses ausgebrannte Gerüst stehen. Heute ist der A-Bomb Dome als Mahnmal erhalten und gehört zum UNESCO-Weltkulturerbe. Umgeben von moderner Stadt wirkt die Ruine wie ein stiller Kontrast zur Gegenwart und ist ein zentraler Punkt bei einem Besuch in Hiroshima.

III. Die Flamme des Friedens

Mitten im Friedenspark stehen wir vor der Flamme des Friedens. Sie brennt seit 1964 und soll so lange weiterbrennen, bis es weltweit keine Atomwaffen mehr gibt. Die Flamme liegt auf einer Art Podest über einem Wasserbecken, in einer Linie zwischen dem Atombombendom und dem Kenotaph (dem bogenförmigen Denkmal im Park). Wir bleiben kurz stehen, schauen über das Becken hinüber zum Dom und merken, wie durchdacht die Anlage gestaltet ist – alles ist aufeinander ausgerichtet.

IV. Das Hiroshima Peace Memorial Museum

Das Hiroshima Peace Memorial Museum liegt am südlichen Ende des Friedensparks und war für uns der wichtigste Ort, um zu verstehen, was am 6. August 1945 in Hiroshima passiert war. Am Eingang entschieden wir uns für einen deutschen Audioguide – eine sehr gute Entscheidung, wie sich schnell herausstellte. Statt lange Tafeln auf Englisch zu lesen, konnten wir uns ganz auf die Ausstellungen und Exponate konzentrieren und den Erklärungen in Ruhe zuhören.

Im ersten Teil des Museums bekamen wir über den Audioguide einen Überblick über die Stadt vor dem Atombombenabwurf, die politische Situation und den Ablauf des 6. August 1945. Wir standen vor Modellen der Stadt, alten Fotos und Karten, während uns im Ohr erklärt wurde, wie Hiroshima vor der Explosion ausgesehen hatte und wie sich innerhalb von Sekunden alles verändert hatte. Das Ganze war klar strukturiert – der Audioguide führte uns Schritt für Schritt durch die Räume.

Später wurde es persönlicher. Wir sahen Alltagsgegenstände, Kleidungsstücke, verformte Uhren, Schuluniformen – und der Audioguide erzählte die Geschichten der Menschen dahinter. Gerade diese Kombination aus Sehen und Hören war sehr eindrücklich: Wir schauten einfach nur auf einen Gegenstand in der Vitrine, und im Ohr erfuhren wir, wem er gehört hatte und was an diesem Tag mit dieser Person passiert war. So kamen wir ohne viele Texte trotzdem sehr nah an die Schicksale der Betroffenen heran.

Zwischendurch erfuhren wir auch Hintergründe zu den Folgen der Strahlung und zur späteren Diskussion über Atomwaffen und Abrüstung. Wir ließen uns Zeit, blieben stehen, wenn uns etwas besonders beschäftigte, oder gingen ein Stück weiter, wenn wir kurz eine Pause brauchten. Am Ende merkten wir, dass wir viel länger im Museum gewesen waren, als wir ursprünglich geplant hatten – aber genau das hatte sich gelohnt.

V. Okonomiyaki essen

Ein Punkt stand für uns von Anfang an fest: In Hiroshima mussten wir Okonomiyaki essen. Die Stadt ist dafür bekannt, und an gefühlt jeder Ecke gibt es kleine Lokale oder ganze Etagen in Einkaufszentren, in denen die herzhaften Pfannkuchen auf der heißen Platte gebrutzelt werden.

Wir suchten uns über „happy Cow“ ein veganes Okonomiyaki-Restaurant aus, setzten uns an den Tresen direkt vor die große Teppan-Platte und schauten dem Koch bei der Arbeit zu. Erst kam der Teig auf die heiße Fläche, dann wurden Berge aus Kohl, Sprossen, Frühlingszwiebeln, und Nudeln darauf geschichtet und natürlich am Ende die berühmte Okonomiyaki-Sauce, dazu Mayonnaise, und Algenflocken.

Als unsere Okonomiyaki schließlich direkt vor uns auf der Platte lagen, brauchten wir eigentlich kein Besteck mehr – mit dem kleinen Spachtel schnitten wir Stücke ab und aßen direkt vom Grill. Es war sättigend, deftig und einfach richtig gutes Wohlfühlessen. Für uns gehörte dieses Essen genauso zu Hiroshima wie der Besuch im Friedenspark – nur eben auf die deutlich angenehmere, leckere Art.

Tagesausflug nach Miyajima

Ein Ausflug nach Miyajima war für uns die perfekte Gelegenheit, dem Großstadttrubel von Hiroshima und vor allem der Hitze ein bisschen zu entkommen. Schon am Morgen, als wir durch die aufgeheizten Straßen zur Bahn liefen, merkten wir, wie die Wärme zwischen den Gebäuden stand. Die Vorstellung, wenigstens für ein paar Stunden aufs Wasser zu kommen und etwas mehr Luft zu haben, klang ziemlich verlockend.

Vom Bahnhof Hiroshima fuhren wir nach Miyajimaguchi und setzten dort mit der Fähre über. Allein die kurze Fahrt tat gut: Fahrtwind statt stehender Luft, Blick auf Meer und Berge statt Beton und Straßenkreuzungen. Während wir an Deck standen, fühlte es sich ein bisschen so an, als würden wir die Urbanität hinter uns lassen – auch wenn Hiroshima eigentlich gar nicht so riesig wirkt, war der Unterschied sofort spürbar.

Auf Miyajima selbst war es natürlich auch warm, aber die Hitze wirkte anders. Zwischen Bäumen, kleinen schattigen Gassen und der leichten Brise vom Wasser ließ sie sich deutlich besser aushalten als in der Stadt. Wir bummelten langsam durch die kleine Hauptstraße, suchten uns immer wieder Schatten, tranken etwas und freuten uns über die zahlreichen Rehe in den Straßen. Zwischendurch hatten wir immer wieder freie Blicke aufs Wasser und das rote Torii, das je nach Wasserstand im Meer zu stehen schien oder etwas „trockener“ wirkte.

Wir verzichteten bewusst auf große Wanderungen oder anstrengende Aktivitäten – dafür war es einfach zu heiß. Stattdessen ließen wir die Insel im gemütlichen Tempo auf uns wirken: ein bisschen Schrein, ein bisschen Meer, ein paar Fotostopps und immer wieder kurze Pausen im Schatten. Am späten Nachmittag fuhren wir mit der Fähre zurück nach Hiroshima und hatten das Gefühl, einmal kurz durchgeatmet zu haben – raus aus der städtischen Hitze, hinein in ein etwas ruhigeres, luftigeres Japan.

Wie lange sollte man für Hiroshima einplanen?

Wir verbrachten drei Nächte in Hiroshima und hatten dabei das Gefühl, der Stadt wirklich gerecht zu werden. Es blieb genügend Zeit, um Hiroshima kennenzulernen – nicht nur seine Sehenswürdigkeiten, sondern auch seinen Rhythmus.

Im Vergleich zu den anderen Stationen unserer Japan-Reise fühlte sich der Aufenthalt hier am entspanntesten an. Der Terminkalender war weniger dicht, die Wege kürzer, das Tempo angenehmer. In Hiroshima konnten wir tatsächlich einmal durchatmen, ohne ständig von Programmpunkt zu Programmpunkt zu wechseln.

Hoteltipp: Das We Base in Hiroshima ist ein Hostel mit Schlafsaal, Vier-Bett-ZImmern und auch Doppelzimmer mitten im Zentrum.

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