Hiroshima heute: Zwischen bewegender Geschichte und lebendiger Gegenwart

Als wir unsere Japanreise planten, stand für uns ziemlich schnell fest, dass wir auch nach Hiroshima wollten. Natürlich vor allem wegen der Geschichte der Stadt und des Atombombenabwurfs im August 1945. Ich hatte schon viel darüber gelesen und wollte unbedingt einmal selbst dort sein und mir die Gedenkstätten anschauen.

Als wir in Hiroshima ankamen, war ich allerdings erst einmal überrascht. Ich weiß gar nicht so genau, was ich erwartet hatte, aber irgendwie hatte ich mir die Stadt anders vorgestellt. Stattdessen fanden wir eine moderne, ziemlich grüne Stadt mit breiten Straßen, Straßenbahnen und vielen Cafés vor. Eigentlich eine ganz normale japanische Großstadt, in der man auf den ersten Blick kaum etwas von ihrer schrecklichen Vergangenheit mitbekommt.

Natürlich wollten wir vor allem den Friedenspark und das Friedensmuseum besuchen. Ich war gespannt auf diese Orte, hatte aber auch ein etwas mulmiges Gefühl, denn schließlich weiß man, was hier am 6. August 1945 passiert ist. Und trotzdem ist es noch einmal etwas anderes, tatsächlich an dem Ort zu stehen, an dem damals so viele Menschen ihr Leben verloren haben.

Wir haben uns für Hiroshima bewusst Zeit genommen und wollten nicht einfach nur die bekannten Gedenkstätten besuchen und anschließend weiterfahren. Auch die Stadt selbst wollten wir kennenlernen. Im Nachhinein bin ich froh, dass wir Hiroshima in unsere Reiseroute aufgenommen haben. Der Besuch hat mich beschäftigt und einige Eindrücke werde ich sicherlich nicht so schnell vergessen.

Der Friedenspark

Der Friedenspark liegt mitten in Hiroshima und ist eine große Grünanlage mit verschiedenen Denkmälern, die an den Atombombenabwurf vom 6. August 1945 erinnern. Dazu gehören unter anderem das Kinder-Friedensdenkmal und die Friedensglocke. Vom Park aus hat man außerdem einen guten Blick auf den Atombombendom, dessen Ruine bis heute erhalten geblieben ist.

Eigentlich hätten wir uns für den Park gerne etwas mehr Zeit genommen, aber bei unserem Besuch war es unglaublich heiß. Die Temperaturen waren so hoch, dass wir kaum Lust hatten, länger in der Sonne zu bleiben. An gemütliches Sitzen auf einer Parkbank war überhaupt nicht zu denken. Also liefen wir ziemlich zügig durch die Anlage und schauten uns die wichtigsten Gedenkstätten an. Schade eigentlich, denn gerade hier hätte ich mir gerne etwas mehr Zeit genommen.

A-Bomb Dome – die Ruine erinnert bis heute an den Atombombenabwurf

Direkt am Fluss und nur wenige Schritte vom Friedenspark entfernt steht der A-Bomb Dome, eines der bekanntesten Gebäude Hiroshimas. Früher war hier eine Ausstellungshalle untergebracht, in der unter anderem regionale Produkte präsentiert wurden. Beim Atombombenabwurf am 6. August 1945 wurde das Gebäude fast vollständig zerstört, lediglich Teile der Mauern und die Kuppelkonstruktion blieben stehen.

Heute gehört die Ruine zum UNESCO-Weltkulturerbe und erinnert an die damalige Katastrophe. Ich muss sagen, dass mich der Anblick ziemlich beschäftigt hat. Natürlich kannte ich das Gebäude von vielen Fotos, aber tatsächlich davorzustehen, war dann doch etwas anderes. Ich habe versucht, mir vorzustellen, wie es hier vor dem 6. August 1945 ausgesehen haben muss und was an diesem Morgen passiert ist. Das ist eigentlich kaum vorstellbar. Besonders merkwürdig fand ich, dass ringsherum das ganz normale Stadtleben weitergeht. Autos fahren vorbei, Menschen sind unterwegs und mittendrin steht diese zerstörte Halle. Ich bin jedenfalls froh, dass man die Ruine erhalten hat. Mich hat sie deutlich mehr berührt, als ich vorher erwartet hatte.

Die Flamme des Friedens

Mitten im Friedenspark befindet sich die Flamme des Friedens, die seit 1964 ununterbrochen brennt. Sie soll erst gelöscht werden, wenn es weltweit keine Atomwaffen mehr gibt. Die Flamme steht zwischen dem Atombombendom und dem großen bogenförmigen Denkmal. Wir blieben dort eine Weile stehen und ich musste daran denken, wie schön es wäre, wenn diese Flamme irgendwann tatsächlich gelöscht werden könnte.

Hiroshima Peace Memorial Museum – für mich der wichtigste Besuch in Hiroshima

Das Hiroshima Peace Memorial Museum war für mich mit Abstand der beeindruckendste Ort, den wir in Hiroshima besucht haben. Ich hatte mich schon im Vorfeld sehr auf das Museum gefreut, auch wenn ich wusste, dass uns dort keine leichte Kost erwarten würde. Am Eingang entschieden wir uns für einen deutschen Audioguide, was ich wirklich empfehlen kann. So mussten wir nicht ständig die englischen Erklärungstafeln lesen, sondern konnten uns in Ruhe die Ausstellung anschauen.

Im ersten Teil erfuhren wir viel über Hiroshima vor dem Atombombenabwurf, die politischen Hintergründe und natürlich darüber, was am 6. August 1945 passiert war. Alte Fotos, Stadtmodelle und Karten zeigten, wie Hiroshima damals ausgesehen hatte und was innerhalb weniger Sekunden zerstört wurde. Der Audioguide führte uns durch die einzelnen Räume und erklärte vieles, was ich bisher noch gar nicht gewusst hatte. Ich fand das unglaublich interessant und hätte mir für diesen Teil allein schon viel Zeit nehmen können.

Besonders berührt hat mich der zweite Teil des Museums, in dem die persönlichen Schicksale der Menschen im Mittelpunkt stehen. Wir sahen Kleidungsstücke, Schuluniformen, stehen gebliebene Uhren und viele andere Gegenstände, die den Opfern des Atombombenabwurfs gehört hatten. Über den Audioguide erfuhren wir die Geschichten der Menschen dahinter. Das fand ich teilweise ziemlich erschütternd und es gab immer wieder Momente, in denen ich einfach nur dastand und zuhörte. Wir haben uns für das Museum viel Zeit genommen und ich kann jedem, der Hiroshima besucht, nur empfehlen, sich diese Zeit ebenfalls zu nehmen.

Okonomiyaki – so lecker, dass wir gleich zweimal dort waren

Hiroshima ist bekannt für seine Okonomiyaki, eine Art herzhafter japanischer Pfannkuchen, den wir natürlich auch probieren wollten. Über HappyCow fanden wir ein kleines Restaurant, das vegane Okonomiyaki anbot. Was für ein Glück, denn das Essen war so unglaublich lecker, dass wir gleich am nächsten Abend noch einmal hingingen.

Wir saßen direkt am Tresen vor der großen heißen Grillplatte und konnten dem Koch bei der Zubereitung zuschauen. Zuerst kam der Teig auf die Platte, dann jede Menge Kohl, Sprossen, Frühlingszwiebeln und Nudeln. Zum Schluss noch Sauce, vegane Mayonnaise und Algenflocken. Gegessen wurde direkt von der heißen Platte, wobei wir uns mit einem kleinen Spachtel immer wieder ein Stück abschnitten.

Ich muss sagen, dass dieses Okonomiyaki zu den besten Sachen gehörte, die wir während unserer Japanreise gegessen haben. Allein dafür würde ich jederzeit wieder nach Hiroshima kommen.

Tagesausflug nach Miyajima

Von Hiroshima aus machten wir einen Tagesausflug auf die Insel Miyajima. Wir fuhren zunächst mit der Bahn nach Miyajimaguchi und von dort mit der Fähre weiter auf die Insel. Die Überfahrt dauert nur wenige Minuten und schon vom Schiff aus hat man einen schönen Blick auf die Insel und die umliegenden Berge.

Leider war es auch an diesem Tag wieder unglaublich heiß. Schon auf dem Weg zum Bahnhof kamen wir ordentlich ins Schwitzen und waren froh, als wir endlich auf der Fähre standen und uns etwas Fahrtwind um die Nase wehen lassen konnten. Auf Miyajima angekommen, wollten wir uns vor allem den berühmten Itsukushima-Schrein mit seinem roten Torii im Wasser anschauen.

Wie lange sollte man für Hiroshima einplanen?

Wir haben drei Nächte in Hiroshima verbracht und fanden das genau richtig. So hatten wir genügend Zeit für den Friedenspark, das Museum und einen Ausflug nach Miyajima. Auch die Stadt selbst wollten wir uns anschauen. Im Vergleich zu unseren anderen Stationen in Japan ließen wir es hier etwas ruhiger angehen. Bei der großen Hitze war uns das auch ganz recht. Ich würde deshalb zwei bis drei Nächte für Hiroshima empfehlen.

Hoteltipp: Das We Base in Hiroshima ist ein Hostel mit Schlafsaal, Vier-Bett-ZImmern und auch Doppelzimmer mitten im Zentrum.

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