Buchara – Seidenstraße, Lehmfarben und eine Stadt zum Herumlaufen

Buchara war für mich eine dieser Städte, bei denen ich schon nach den ersten Stunden wusste: Hier gefällt es mir.
Vielleicht lag es daran, dass die Stadt ganz anders wirkt als Samarkand. Weniger monumental, weniger weitläufig, weniger „große Bühne“. Dafür viel kompakter, ruhiger und irgendwie näher dran. In der Altstadt kann man einfach loslaufen, durch kleine Gassen gehen, unter alten Handelskuppeln hindurchlaufen und zehn Minuten später vor einer Medrese, einer Moschee oder irgendeinem Innenhof stehen.
Buchara ist mehr als 2.000 Jahre alt und lag über Jahrhunderte an der Seidenstraße. Die historische Altstadt gehört seit 1993 zum UNESCO-Welterbe und gilt als eines der am besten erhaltenen Beispiele einer mittelalterlichen Stadt in Zentralasien.
Aber ganz ehrlich: Diese ganzen Jahreszahlen und Superlative waren für mich irgendwann gar nicht mehr so wichtig. Buchara hat mir vor allem deshalb gefallen, weil man die Geschichte hier nicht nur an einzelnen Sehenswürdigkeiten sieht. Sie steckt irgendwie in der ganzen Stadt.
Labi Hovuz – hier landet man sowieso irgendwann
Einer der Orte, an denen wir immer wieder vorbeigekommen sind, war Labi Hovuz. Rund um den kleinen Wasserteich stehen alte Gebäude, Restaurants und Cafés, unter den Bäumen sitzen Menschen, essen, trinken Tee oder beobachten einfach das Leben.

Früher gab es in Buchara viele solcher Wasserbecken, die zur Versorgung der Bevölkerung dienten. Die meisten wurden später trockengelegt, Labi Hovuz ist geblieben. Heute ist der Platz einer der lebendigsten Orte in der Altstadt.

Direkt daneben stehen die Koʻkaldosh-Medrese und die Nodir-Devonbegi-Medrese. Spätestens hier merkt man, dass man in Buchara eigentlich ständig irgendwo zwischen alten Medresen, Moscheen und Innenhöfen unterwegs ist.
Nasriddin Afandi und sein Esel
Direkt am Labi-Hovuz sitzt eine Figur, an der eigentlich jeder irgendwann vorbeikommt: Nasriddin Afandi auf seinem Esel.

Nasriddin ist in vielen Ländern Zentralasiens und darüber hinaus bekannt. Er ist so etwas wie eine Mischung aus Schelm, Philosoph und Geschichtenerzähler. In den Geschichten über ihn geht es oft um kleine Weisheiten, Missverständnisse und ziemlich viel Humor.
Die Statue selbst ist heute natürlich auch ein beliebtes Fotomotiv. Fast immer steht jemand daneben oder setzt sich kurz auf den Esel.
Ich fand die Figur ganz sympathisch, weil sie etwas Leichtigkeit in diesen ganzen historischen Ort bringt. Zwischen Medresen, Moscheen und viel Geschichte sitzt da einfach Nasriddin auf seinem Esel und schaut ziemlich zufrieden in die Welt.
Chor Minor – klein, schief und irgendwie besonders
Chor Minor liegt ein wenig abseits der großen Wege und sieht völlig anders aus als die meisten Gebäude in Buchara.

Vier kleine Türme, blaue Kuppeln und dazwischen dieses kompakte Gebäude – fast ein bisschen verspielt. Chor Minor wurde Anfang des 19. Jahrhunderts als Torhaus einer Medrese gebaut; der Name bedeutet übersetzt „Vier Minarette“.
Es ist keine riesige Sehenswürdigkeit, bei der man eine Stunde verbringt. Aber gerade das fand ich schön. Hinlaufen, anschauen, ein paar Fotos machen und dann wieder weiterziehen.


Unter den alten Handelskuppeln
Was Buchara für mich besonders macht, sind die alten Handelskuppeln.

Man läuft durch die Altstadt und steht plötzlich unter riesigen gemauerten Kuppeln, unter denen früher Geldwechsler, Mützenhändler, Juweliere und andere Händler ihre Waren angeboten haben. Buchara war eben nicht nur religiös bedeutend, sondern auch ein wichtiger Handelsplatz an der Seidenstraße.

Heute werden dort vor allem Teppiche, Stoffe, Keramik, Schmuck und Souvenirs verkauft. Natürlich ist vieles auf Touristen ausgerichtet. Trotzdem mochte ich diese Bereiche sehr. Vielleicht auch deshalb, weil man nicht das Gefühl hat, von einer Sehenswürdigkeit zur nächsten zu laufen. Man läuft einfach durch die Stadt – und die alten Gebäude sind Teil des Weges.
Poi Kalon – der Ort, der mich am meisten beeindruckt hat
Wenn ich einen Ort in Buchara nennen müsste, der bei mir hängen geblieben ist, dann wäre es wahrscheinlich das Poi-Kalon-Ensemble.

Das Kalon-Minarett sieht man schon von weitem. Es stammt in seinen Ursprüngen aus dem 12. Jahrhundert und gehört zu den ältesten und bekanntesten Bauwerken der Stadt. Gegenüber liegen die Kalon-Moschee und die Mir-Arab-Medrese.
Der Platz dazwischen ist groß, aber nicht so überwältigend wie der Registan in Samarkand. Vielleicht hat er mir gerade deshalb so gut gefallen.
Man kann dort stehen, sich umdrehen, die Fassaden anschauen und irgendwie wirkt alles viel ruhiger. Besonders am späten Nachmittag verändert sich das Licht und die Lehm- und Blautöne werden noch einmal wärmer.
Für mich war das einer dieser Orte, an denen ich nicht sofort weiter wollte.


Kalon-Moschee
Die Kalon-Moschee gehört zum Poi-Kalon-Komplex und ist eine der großen Moscheen Bucharas. Besonders beeindruckend fand ich den riesigen Innenhof mit den vielen Säulengängen. Trotz ihrer Größe wirkt die Anlage erstaunlich ruhig und klar.

Von hier hat man außerdem einen schönen Blick auf das Kalon-Minarett und die gegenüberliegende Mir-Arab-Medrese. Gerade diese Kombination macht den Platz für mich zu einem der stärksten Orte in Buchara.


Ich würde mir hier etwas Zeit lassen und nicht nur einmal schnell durchlaufen. Die Moschee wirkt vor allem dann, wenn man sich einfach in den Innenhof stellt und die Dimensionen auf sich wirken lässt.
Mir-Arab-Medrese
Direkt am Poi-Kalon-Platz liegt die Mir-Arab-Medrese. Sie wird bis heute als islamische Hochschule genutzt, weshalb man nicht einfach überall hineinlaufen kann. Vielleicht trägt genau das dazu bei, dass sie nicht nur wie eine historische Kulisse wirkt.

Von außen ist sie für mich eines der schönsten Gebäude in Buchara. Die beiden blauen Kuppeln, die Fassade und dahinter das Kalon-Minarett – ziemlich genau das Bild, das ich vorher von Buchara im Kopf hatte.

Die Ark – Burg, Palast und Machtzentrum
Die Ark von Buchara ist schon von außen beeindruckend.

Diese massive Festung liegt etwas erhöht am Rand der Altstadt und war über viele Jahrhunderte das politische Zentrum der Stadt. Die heutige Anlage wurde über verschiedene Epochen immer wieder verändert und aufgebaut. UNESCO nennt die Zitadelle als einen der prägenden Bestandteile der historischen Stadt.
Drinnen findet man Höfe, ehemalige Wohn- und Verwaltungsbereiche und kleinere Ausstellungen. Mich hat ehrlich gesagt die Außenansicht mehr beeindruckt als manches im Inneren.

Diese gewaltigen Mauern wirken fast ein bisschen unwirklich. Vor allem wenn man davorsteht und versucht, sich vorzustellen, wie hier früher Herrscher, Beamte, Soldaten und Bedienstete gelebt haben.


Bolo-Hovuz-Moschee
Die Bolo-Hovuz-Moschee liegt direkt gegenüber der Ark und ist im Vergleich zu vielen anderen Bauwerken in Buchara fast schon angenehm zurückhaltend. Keine riesigen Portale, keine monumentalen Kuppeln – dafür diese unglaublich schönen, schlanken Holzsäulen vor der Moschee.

Genau die haben mir hier am besten gefallen. Sie tragen das weit auskragende Dach der Vorhalle und sind mit feinen Schnitzereien verziert. Wenn man davorsteht, wirkt das Ganze fast ein bisschen leichter und filigraner als viele der wuchtigen Medresen und Moscheen, die man vorher gesehen hat.
Vor der Moschee liegt ein kleines Wasserbecken, auf das auch der Name hinweist: „Hovuz“ bedeutet Teich oder Wasserbecken. Zusammen mit den Holzsäulen, dem Schatten und der offenen Vorhalle hat der Ort eine ganz eigene Atmosphäre.


Ich mochte die Bolo-Hovuz-Moschee vor allem deshalb, weil sie sich so angenehm von den großen Sehenswürdigkeiten Bucharas unterscheidet. Man steht nicht davor und denkt sofort „wow, wie riesig“, sondern schaut eher auf die Details. Auf das Holz, die bemalte Decke, die Säulen und die ruhige Wirkung des Gebäudes.
Wenn man ohnehin die Ark besucht, würde ich die Moschee auf keinen Fall auslassen. Sie liegt praktisch direkt gegenüber und ist für mich einer dieser Orte, die man vielleicht gar nicht lange besucht, an die man sich später aber trotzdem gut erinnert.
Bukhara Tower – der etwas andere Aussichtspunkt
Der Bukhara Tower, auch als Shukhov Tower bekannt, passt auf den ersten Blick gar nicht so recht zu all den Medresen, Moscheen und Lehmfassaden der Altstadt. Genau deshalb fällt er einem aber sofort auf.

Der Turm stammt aus der frühen Sowjetzeit und wurde ursprünglich als Wasserturm gebaut. Seine filigrane Stahlkonstruktion unterscheidet sich komplett von der historischen Architektur rundherum. Heute ist er vor allem wegen der Aussichtsplattform interessant, von der man einen weiten Blick über Buchara haben soll.
Wir selbst waren allerdings nicht oben. Irgendwie hat es sich an dem Tag nicht ergeben, und nach all den Eindrücken in der Altstadt war der Aussichtspunkt für uns auch kein Muss mehr.
Trotzdem fand ich den Turm spannend, gerade weil er zeigt, dass Buchara eben nicht nur aus Seidenstraße und jahrhundertealten Bauwerken besteht. Er wirkt fast wie ein kleiner Fremdkörper im Stadtbild – und genau das macht ihn interessant.
Samaniden-Mausoleum – ganz anders als der Rest
Das Samaniden-Mausoleum liegt etwas außerhalb des unmittelbaren Altstadtzentrums in einem Park. Und es sieht komplett anders aus als vieles, was man vorher in Buchara gesehen hat.

Keine blauen Fliesen, keine riesigen Portale, sondern ein relativ kleines Gebäude aus Ziegeln mit unglaublich feinen Mustern. Das Mausoleum stammt aus dem 9./10. Jahrhundert und zählt zu den bedeutendsten erhaltenen frühen islamischen Bauwerken Zentralasiens.
Gerade weil es so anders aussieht, fand ich den Besuch spannend. Man merkt hier noch einmal, wie viele unterschiedliche Epochen in Buchara übereinanderliegen.
Abdulaziz-Khan- und Ulugʻbek-Medrese
Die beiden Medresen liegen sich direkt gegenüber – und könnten fast nicht unterschiedlicher sein.


Die Ulugʻbek-Medrese stammt aus dem frühen 15. Jahrhundert und wirkt vergleichsweise schlicht. Die Abdulaziz-Khan-Medrese entstand deutlich später und ist wesentlich stärker dekoriert.


Gerade nebeneinander sieht man diesen Unterschied besonders gut. Und wahrscheinlich ist genau das eine der Sachen, die mir an Buchara so gefallen haben: Man braucht nicht ständig einen Reiseführer, um Unterschiede zu erkennen. Man sieht sie einfach.
Central Market – einmal raus aus der Postkartenkulisse
Der Central Market von Buchara war für mich eine schöne Abwechslung zu all den Medresen, Moscheen und historischen Gebäuden. Hier geht es weniger um Architektur und mehr um ganz normales Leben.


Auf dem Markt bekommt man eigentlich alles: Obst, Gemüse, Brot, Gewürze, Nüsse, Trockenfrüchte, Käse, Fleisch und natürlich jede Menge Dinge, bei denen man erst einmal schauen muss, was es überhaupt ist. Gerade diese Mischung macht den Markt spannend. Es riecht nach Gewürzen und frischem Brot, überall wird gehandelt, eingekauft und miteinander gesprochen.

Ich mag solche Märkte auf Reisen sowieso sehr, weil man dort oft viel mehr vom Alltag mitbekommt als an den großen Sehenswürdigkeiten. Und auch in Buchara war das so. Zwischen all den prachtvollen Gebäuden der Altstadt tut es gut, zwischendurch einfach durch die Marktstände zu laufen und ein bisschen zuzuschauen.


Wer gerne Trockenfrüchte, Nüsse oder Gewürze mit nach Hause nimmt, wird hier wahrscheinlich sowieso fündig. Aber auch ohne Einkaufsabsicht lohnt sich ein Besuch. Für mich gehört der Central Market gerade deshalb zu Buchara dazu, weil er eine ganz andere Seite der Stadt zeigt.
Sommerpalast Sitorai Mohi Xosa
Der Sitorai Mohi Xosa liegt etwas außerhalb von Buchara und war die Sommerresidenz des letzten Emirs. Schon deshalb unterscheidet sich der Ort ziemlich deutlich von den Moscheen, Medresen und Mausoleen in der Altstadt.

Wir sind mit dem Taxi hingefahren, was völlig unkompliziert war. Nach der dichten Altstadt wirkt die Anlage fast schon ein bisschen großzügig und ruhig. Rund um den Palast gibt es Gärten, Innenhöfe und mehrere Gebäude, die einen ganz anderen Eindruck von Buchara vermitteln.
Besonders spannend fand ich die Mischung aus orientalischen und europäischen Einflüssen. Manche Räume wirken fast schon verspielt, mit Spiegeln, Ornamenten und sehr viel Dekoration. An anderen Stellen erinnert die Ausstattung eher an einen europäischen Palast. Man merkt schnell, dass hier nicht nur gewohnt, sondern auch Eindruck gemacht werden sollte.


Für mich war der Sommerpalast deshalb eine gute Ergänzung zur Altstadt. Nach all den Lehmfarben, Kuppeln und Medresen sieht man hier noch einmal eine ganz andere Seite der Geschichte Bucharas.

Ich würde den Ausflug vor allem dann empfehlen, wenn man mindestens zwei oder drei Tage in der Stadt ist. Der Palast liegt nicht direkt im Zentrum, aber mit dem Taxi ist man schnell dort und muss dafür auch keinen halben Tag einplanen.
Chor Bakr – ein ruhiger Ausflug vor die Tore Bucharas
Etwas außerhalb von Buchara liegt Chor Bakr, ein weitläufiger Komplex mit Mausoleen, Moscheen und Innenhöfen. Wir sind auch hier mit dem Taxi hingefahren, was völlig unkompliziert war.

Chor Bakr ist vor allem als historische Begräbnisstätte bekannt. Über die Anlage verteilt liegen zahlreiche Gräber und Mausoleen, dazwischen führen kleine Wege durch Innenhöfe und an alten Gebäuden vorbei. Alles ist ziemlich weitläufig und man kann gut eine Weile einfach herumgehen und schauen.
Uns hat vor allem die ruhige Atmosphäre gefallen. Es waren nur wenige Menschen unterwegs und wir konnten uns die Anlage ganz ohne Eile anschauen. Gerade die vielen kleinen Details an den Gebäuden und die alten Grabstätten machen Chor Bakr interessant.

Chor Bakr ist kein Ort für den schnellen „Wow“-Moment. Man sollte sich ein bisschen Zeit nehmen und einfach durch die Anlage laufen. Wenn man mehrere Tage in Buchara ist, lohnt sich der kurze Ausflug mit dem Taxi auf jeden Fall.

Schlafen, Essen und Trinken
Übernachtet haben wir im Shom Hotel Butik Guest House. Das kleine Guesthouse liegt sehr zentral in Buchara. Besonders schön war die herrliche Dachterrasse. Dort konnte man am Abend wunderbar sitzen, ein bisschen zur Ruhe kommen und den Tag ausklingen lassen. Gerade nach einem langen Tag in Buchara war das für uns ein richtig schöner Platz.
Das Old Bukhara Restaurant ist ziemlich touristisch, aber trotzdem einen Besuch wert. Man sitzt schön, die Atmosphäre ist angenehm und das Essen war richtig gut. Wenn man in der Altstadt unkompliziert usbekisch essen möchte, ist es eine gute Adresse. Unbedingt reservieren!
Deutlich einfacher geht es im Sitora Kafe zu. Das Restaurant ist schlicht, aber genau das macht seinen Reiz aus. Das Essen war extrem lecker, die Portionen gut und die Preise sehr günstig. Bier gibt es auf Nachfrage ebenfalls. Wer unkompliziert und preiswert essen möchte, ist hier genau richtig.
Ein wenig außerhalb, aber trotzdem gut zu Fuß erreichbar, liegt das Afsona Bukhara. Wir kannten das Restaurant schon aus Taschkent und waren deshalb gespannt, ob es uns auch hier so gut gefällt. Und ja: Das Essen war wieder extrem lecker. Für uns auf jeden Fall eine der besten Adressen in Buchara, wenn man richtig gut essen möchte.
