

Wenn ich ganz ehrlich bin, fällt mir die Entscheidung oft schwer. Ich mag beides – aber aus ganz unterschiedlichen Gründen.
Ein Roadtrip ist für mich zunächst einmal etwas Wunderbares. Mit dem Auto ist man frei wie ein Vogel. Man fährt los, wenn man möchte, hält an, wenn einem danach ist, verändert spontan die Route und muss sich nicht nach Fahrplänen richten. Dazu kommt etwas, das man beim Reisen nicht unterschätzen sollte: Es ist bequem.
Gerade wenn man länger unterwegs ist, viel Gepäck dabei hat oder abgelegenere Regionen besuchen möchte, ist ein Auto oft einfach die angenehmste Lösung. Man lädt alles ein, steigt ein und fährt los. Kein Schleppen zum Bahnhof, kein Warten auf den nächsten Bus, kein Umsteigen mit Taschen und Rucksäcken.
Und ich mag dieses Gefühl sehr.
Freiheit auf vier Rädern
Für mich gehört ein Roadtrip zu den schönsten Arten zu reisen. Schon die Fahrt selbst wird Teil der Reise. Besonders in Ländern mit spektakulären Landschaften kann ich stundenlang unterwegs sein, ohne dass es langweilig wird. Man sieht irgendwo eine kleine Straße und biegt einfach ab. Man entdeckt einen Strand, einen Aussichtspunkt oder ein Dorf, das ursprünglich überhaupt nicht auf dem Plan stand. Genau diese Momente mag ich. Ein Auto gibt mir außerdem eine Form von Unabhängigkeit, die ich beim Reisen sehr schätze. Ich möchte nicht jeden Tag exakt durchplanen müssen. Manchmal möchte ich morgens entscheiden, wann es weitergeht. Manchmal möchte ich noch eine Stunde bleiben. Oder zwei. Mit dem Auto geht das.
Aber das Auto schafft auch Abstand
Trotzdem gibt es einen Punkt, der mich immer wieder beschäftigt. Wer mit dem Auto unterwegs ist, bewegt sich häufig in einer kleinen eigenen Welt. Man steigt morgens ein, fährt von einem Ort zum nächsten und steigt dort wieder aus. Dazwischen sieht man unglaublich viel vom Land – aber manchmal erstaunlich wenig von den Menschen, die dort leben. Genau das ist für mich der große Unterschied zum Reisen mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Im Bus oder im Zug sitzt man plötzlich mitten im Alltag eines Landes. Neben einem sitzt jemand auf dem Weg zur Arbeit. Kinder fahren zur Schule. Familien steigen mit ihren Einkäufen ein. Menschen telefonieren, diskutieren, schlafen oder schauen genauso aus dem Fenster wie man selbst. Man bekommt etwas mit. Nicht unbedingt spektakuläre Dinge. Eher ganz normale. Und gerade diese normalen Dinge erzählen oft mehr über ein Land als die nächste Sehenswürdigkeit.
Im Bus beginnt manchmal das eigentliche Reisen
Ich mag dieses Gefühl, irgendwo an einem Bahnhof oder Busbahnhof zu stehen und zunächst überhaupt nicht zu wissen, wie alles funktioniert. Welcher Bus ist meiner? Wo kaufe ich das Ticket? Warum steigen plötzlich alle aus? Natürlich kann das anstrengend sein. Und manchmal wünsche ich mir in solchen Momenten sehr schnell mein Auto zurück. Aber genau dabei entstehen auch Begegnungen. Jemand zeigt einem, wo man hinmuss. Man versucht sich mit Händen und Füßen verständlich zu machen. Man kommt ins Gespräch. Oder man beobachtet einfach. Mit dem eigenen Auto passieren solche Situationen deutlich seltener. Das Auto bringt mich oft schneller und bequemer durch ein Land. Der Bus bringt mich manchmal näher hinein.
ÖPNV ist nicht automatisch romantisch
Dabei möchte ich öffentliche Verkehrsmittel keineswegs verklären. Ein überfüllter Bus bleibt ein überfüllter Bus. Ein ausgefallener Zug ist nervig. Mit Gepäck drei Mal umzusteigen macht auch mit über 50 nicht plötzlich Freude. Und wer irgendwo stundenlang auf eine Verbindung wartet, denkt irgendwann nicht mehr an authentisches Reisen, sondern nur noch daran, endlich anzukommen. Trotzdem mag ich diese Art des Unterwegsseins. Vielleicht gerade deshalb, weil nicht immer alles perfekt funktioniert.
Heute muss ich mich gar nicht mehr entscheiden
Früher dachte ich häufiger in Kategorien: Roadtrip oder Backpacking, Mietwagen oder Bus, individuell oder organisiert. Heute sehe ich das viel entspannter. Ich kann ein Land mit dem Auto bereisen und trotzdem zwischendurch den Zug nehmen. Ich kann in einer Stadt das Auto stehen lassen und mich mit Bus und Bahn bewegen. Und ich kann ganz bewusst entscheiden, dass eine Reise diesmal komplett ohne Auto stattfindet. Für mich gibt es deshalb keinen Gewinner. Es gibt nur unterschiedliche Arten, ein Land kennenzulernen. Mit dem Auto sehe ich oft mehr vom Land. Mit Bus und Bahn erlebe ich oft mehr von den Menschen. Und wahrscheinlich liegt genau darin der Unterschied.
Was passt zu dieser Reise?
Diese Frage stelle ich mir inzwischen lieber als „Was ist besser?“. Möchte ich abgelegene Landschaften sehen, spontan anhalten und möglichst unabhängig sein? Dann nehme ich sehr gerne das Auto. Möchte ich näher am Alltag sein, Menschen begegnen und mich ein wenig treiben lassen? Dann entscheide ich mich eher für Bus und Bahn. Und manchmal weiß ich schon bei der Planung: Diese Reise braucht einfach beides. Vielleicht ist genau das meine heutige Art zu reisen. Nicht dogmatisch. Nicht möglichst kompliziert. Nicht möglichst komfortabel. Sondern so, wie es sich für dieses Land richtig anfühlt.
