Ich wusste, Marokko ist extrem vielseitig: die Königsstädte im Norden, die schneebedeckten Berge im Atlasgebirge und die unendliche Weite der Wüste im Osten – irgendwie ist alles dabei und irgendwie wollte ich auch so viel wie möglich sehen. Mit einem Zeitfenster von zwei Wochen wurde die Sache dann nicht einfacher, das wusste ich. Die Reise unternahm ich mit meinen zwei Töchtern und ich wollte für uns eine abwechslungsreiche Route finden. Es war relativ schnell klar, dass die bevorstehende Marokko Reise kein Backpacker-Urlaub wird, sondern ein Roadtrip mit einem Mietwagen.

  1. Ankunft in Marrakesh 

Nach unserer Ankunft in Marrakesh sind wir, nachdem wir unser Riad in der Altstadt bezogen hatten, gleich mal durch die Souks geschlendert. Meine Töchter waren hungrig und so sind wir auf der Dachterasse des Cafe des epices gelandet. Meiner Meinung ein guter Ort um anzukommen. Zwei Nächte verbrachten wir in Marrakesh. Wir sind unsere Reise  gemütlich angegangen,  so sind wir planlos durch die Gassen geschlendert, haben zwischendurch kleinere Pausen eingelegt. Das Einzigste was wir besucht und besichtigt haben war die Koranschule Medersa Ben Youssef. Sie zählt zu den  schönsten Sehenswürdigkeiten von Marrakesh und war einst auch der mächtigste Ort der islamischen Welt.

Nach zwei Nächten in Marrakech haben wir unser Mietauto abgeholt.  Die Mietstation war somit auch Start- und Endpunkt von unserem Road Trip durch Marokko. Die Übergabe des Autos erfolgte problemlos, dennoch hat uns die Sache 2 Stunden in Anspruch genommen, bis wir schließlich im Auto saßen und in Richtung Atlas-Gebirge die Stadt verließen. Mit jeder Kurve, die sich unser silberner Peugeot seinen Weg höher und höher in das Atlas Gebirge bahnte, stieg unsere Faszination. Wir kamen aus dem Staunen überhaupt nicht mehr raus.  Der Route durch den Atlas war total abwechslungsreich. Bald überquerten wir den Tizi n’Tichka Gebirgspass, den höchsten Punkt unserer Reise.

2. Aït BenHaddou

Nachdem wir den Pass überquert hatten, ging es weiter nach Aït BenHaddou, jene alte Lehmstadt, die als Filmkulisse für „Game of Thrones“ und „Gladiator“ Weltberühmtheit erlangte. Von der UNESCO-geschützten Stadt aus wurde einst der Handel auf der alten Karawanenstraße zwischen Timbuktu und Marrakesch kontrolliert. In Aït BenHaddou haben wir auch übernachtet. Zum Glück hatten wir ein Hotel mit Pool. Als wir ankamen war es noch sehr heiß. Am Pool haben wir uns ein wenig ausgeruht, denn die 200km lange Fahrt über den Atlas war auch anstrengend. Als die Abendstunden ein wenig Kühlung brachte, sind wir  noch weit vor dem Sonnenuntergang los zur Besichtungstour.

     Fakten

  • Ait Ben Haddou liegt ca. 200 km von Marrakesch und 30 km von Ouarzazate entfernt.
  • Seit 1987 zählt der alte Dorfkern zum UNESCO Weltkulturerbe.
  • Es wurde irgendwann zwischen dem 12. und 16. Jahrhundert  aus Lehmziegeln errichtet und seinerzeit vermutlich von etwa 1000 Menschen bewohnt.
  • Derzeit leben noch fünf oder sechs Familien im alten Ortskern, während der Rest sich im neuen Dorf niedergelassen hat. Das neue Dorf verfügt über eine touristische Infrastruktur.
  • Ait Ben Haddou (altes und neues Dorf) wird vorwiegend von Berbern bewohnt.
  • Für den Besuch musst Du nichts bezahlen und Du benötigst auch keinen Führer.

3. Dades-Tal

Das Dades-Tal sollte unser nächstes Ziel sein. Wir waren bei der Abfahrt schon gespannt, wie das Tal auf uns wirken wird. Auf der Fahrt durchfuhren wir die Stadt Ouarzazate, dort sind die großen Filmstudios von Marokko. Auch ein Filmmuseum gab es dort, in dem man sich die Kulissen und Requisiten der Dreharbeiten ansehen kann. Das Museum reizte uns nicht sonderlich, daher fuhren wir an ihnen vorbei. In Ouarzazate selbstder Provinzhauptstadt gab es nicht wirklich viel zu sehen, also ging es recht schnell weiter. Je mehr wir uns der Sahara näherten, desto karger wurde die Landschaft und desto röter und sandiger die Erde. In der Mittagshitze durchfuhren wir das Dadestal. Fast am Ende der Schlucht lag unsere Herberge. Ein wunderschönes Haus, direkt am Fluss gelegen. Wir waren bei unserem Aufenthalt die einzigsten Gäste und das gesamt Team war sehr bemüht um uns.

4. Merzouga

Die Fahrt nach Merzouga war lang, aber das wussten wir. Während der Fahrt spürten wir, das wir uns der Wüste näherten. Die Landschaft wurde immer karger und sandiger. Ca 1 Stunde vor Merzouga hatte uns unsere Navigation auf eine Sandstraße ins Nirgendwo navigiert. Irgendwann wurde es uns dann bei weit über 40 Grad und ohne Allrad zu abenteuerlich, so dass wir wieder umgedreht sind, auf der Suche nach einer Asphaltstraße. Nach ca. 5 Stunden Fahrt sahen wir schließlich die Sanddünen von Merzouga, das Ziel unserer Reise. Merzouga  liegt am Rande der Erg Chebbi Wüste. Als wir in Merzouga ankamen hatte es 46 Grad. Merzouga ist in kleines Dorf, gebaut am Rande der Wüste. Der einzigste Grund, weshalb Touristen hier her kommen sind die Dünen – von hier starten die Wüstentouren. Wir waren schwer beeindruckt von unserem Riad. Eine Oase, gebaut mitten im Sand. Das ganze Riad  bestand aus Lehm. Im Innenhof war ein gekühlter Pool und rund um den Pool waren die Zimmer angelegt. So kam es dann auch, dass wir das Riad fast überhaupt nicht verlassen hatten, bis wir am nächsten Tag gegen Abend zur Wüstentour aufbrachen.

Tipp: Die Wüstentouren werden von jedem Riad selbst angeboten bzw. manche Riads schließen sich auch zu Touren zusammen. Man muss die Tour nicht im Vorfeld buchen, es reicht wenn man bei Ankunft sagt, dass meine eine Tour machen möchte.

6. Kameltour durch die Sahara

Auf dem Rücken der Kamele  drangen wir immer tiefer in die endlosen Sandmeere der Sahara, bis wir nichts anderes mehr sahen als Sanddünen. In der Erg Chebbi Wüste erreichen diese eine Höhe von bis zu  160 Metern. Unsere Karawane besteht aus 5 Reisenden, ihren Kamelen und einem Berber, der uns zu Fuß anführte.  Obwohl es bereits früher Abend war, schien die Sonne heiß auf uns hinab. Ganz unerwartet mussten wir feststellen, dass das Reiten auf einem Kamel anstrengend ist. Nach ungefähr 1,5 Stunden Ritt tat sich  ein Wüstencamp auf. So schön hätten wir es uns niemals erträumt! Wir banden unsere Kamele an und machten uns – noch ehe wir das Lager auskundschaften – auf den Weg die riesige Düne hinauf. Denn es verblieb nicht viel Zeit, bis die Sonne unterging und wir wollten den Sonnenuntergang vom höchsten Punkt der Düne erleben.

Es ist anstrengender als gedacht, die  aufgetürmten Sandberg zu erklimmen. Nach ca. 15 Minuten haben wir schweißgebadet die Spitze der Düne erklommen. Egal in welche Richtung wir auch blickten,  wir sahen nur noch in der Abendsonne strahlender Sand. Es umgab uns  eine magische und zutiefst geheimnisvolle Atmosphäre.

Gleich nach Sonnenuntergang machten wir uns auf den Rückweg zum Lager, in dem wir einfach die steile Dünenwand hinunterrutschten. Ein unglaublicher, sandiger Spaß! Im Lager angekommen gab es kurze Zeit später unser Abendessen. Unter einem beeindruckenden Sternenhimmel saßen wir noch zusammen, bis wir schließlich unsere Matratzen ins Freie gezogen hatten, um draußen die Nacht zu verbringen.

Die Nacht war kurz und sehr kalt. Um 5 Uhr sind wir aufgestanden – wir wollten den Sonnenaufgang nicht verpassen. Wieder ging es zu Fuß hinauf auf die Dünen und glücklicherweise haben wir es gerade noch vor Sonnenaufgang geschafft. Etwas ermüdet, saßen wir im Sand und genossen das Naturspektakel. Es war immer noch sehr kalt, als wir auf den Sonnenaufgang warteten, doch kaum war die Sonne da, hatte man das Gefühl die Temperatur stieg im Minutentakt. Noch vor dem Frühstück ging es dann wieder zurück zum Riad. Dort angekommen gab es eine frische Dusche und ein köstliches Frühstück. Unser Wüsten-Abenteuer war zu Ende und wir machten uns  am gleichen Morgen auf den Weg nach Midelt.

7. Midelt

Die Stadt Midelt liegt zwischen Merzouga und Fes. Genau aus diesem Grund haben wir das kleine Städtchen als Zwischenstation ausgewählt. Die ganze Strecke an einem Tag wäre einfach zu weit gewesen. In Midelt gibt es keine historische Bauten und ist somit frei von Sehenswürdigkeiten. Aus diesem Grund haben wir das Hotel auch nicht mehr verlassen, nachdem wir gegen Spätnachmittag dort angekommen sind.

8. Fes

Die größte Herausforderung, wenn man mit dem Auto in Fes ankommt, ist es einen Parkplatz zu finden, der relativ Nahe zum gebuchten Riad in der Altstadt liegt. Ehrlich gesagt war das nicht so einfach. Schließlich haben wir den richtigen Parkplatz dann doch gefunden.

Auf einer Reise durch Marokko sollte man schon 2-3 Tage  sich für Fes Zeit nehmen. Die Medina von Fes ist voll mit engen, verwinkelten Gassen! Verlaufen ist hier Teil der Sehenswürdigkeit und des Erlebnisses, also das schon mal einplanen! Hier findet man die weltweit größte orientalische Medina aus dem Mittelalter und sie ist mit ihren knapp 11.000 Gassen ein absolutes Labyrinth.  In die vollen Gassen geht es nur zu Fuß. Und das fühlt sich an wie eine Zeitreise in den Orient.

Kleiner Tipp: In Fes haben wir zum ersten Mal überhaupt  einen deutschsprachigen Führer gebucht. Im Nachhinein muss ich sagen, dass das eine gute Sache war. Der Tag mit ihm war so informativ und wir hätten sicherlich auf eigene Faust nicht so viel gesehen und erlebt.

9. Rabat

Nach den Tagen in Fes ging unsere Reise weiter nach Rabat. Seit 1912 ist die an der Küste liegende Millionenstadt die Hauptstadt Marokkos.  Rabat präsentiert sich modern und trotzdem hat die Stadt viele faszinierende historische Sehenswürdigkeiten. Wir waren nur eine Nacht in Rabat, was für uns auch ausreichend erschien. Im Vergleich was wir bisher erleben durften, wirkte Rabat eher nüchtern auf uns.

10. zurück nach Marrakesh
Rabat war unsere letzte Station auf unserem Roadtrip durch Marokko. Eigentlich wollten wir noch die Hassan-II.-Moschee in Casablanca besichtigen, doch dafür war die Zeit am Ende doch zu knapp. In Rabat fuhren wir zum ersten Mal seit wir unterwegs waren auf die Autobahn, denn jetzt hieß es Kilometer zurücklegen. Wir mussten gegen Abend unser Auto zurückbringen. Die Fahrt war lange, verlief aber problemlos, so dass wir sogar 2 Stunden vor der geforderten Abgabe den Mietwagen übergeben konnten.

Fazit

Um es gleich zu sagen, wir fanden unsere selbst ausgewählte Route perfekt. Die Tour war unglaublich abwechslungsreich. Obwohl wir viel im Auto saßen, fanden wir es nie langweilig. Die Landschaften haben sich auf der gesamten Reise ständig verändert und wir kamen oft aus dem Staunen nicht mehr raus.

11. Unser Route durch Marokko

1800 km Straße haben wir hinter uns gelassen. Start und Ende war Marrakesh.

 

Written by Reisen macht froh