Indien lässt mich einfach nicht mehr los und ich kann nicht einmal genau sagen weshalb,  denn es gibt wirklich kein anderes Land, das einem so an den Rand des Wahnsinns treiben kann …

Indien ist verrückt, anstrengend, laut und total chaotisch. Die Menschen sind unbeschreiblich herzlich, aber auch oft total nervig. Das Essen ist sensationell lecker. Die Temperaturen liegen in meinen Reisezeiten eher im Saunabereich. Indien ist das vielfältigste Land, das ich jemals erlebt habe.Der Bundesstaat Kerala ist ein wenig Indien light. Hier gibt es weniger Müllhalden, Chaos, Rüpelhaftigkeit und Armut. Dennoch ist Kerala Indien pur: mit all seinen Farben, Gerüchen, Gewürzen und Landschaften. Die Menschen sind freundlich, offen und herzlich. Im Vergleich zum restlichen Land ist das Bildungsniveau hoch, die Armut geringer und die hygienischen Verhältnisse akzeptabel. Die Menschen sind dunkelhäutiger, Männer laufen viel häufiger in Röcken herum. Kerala liegt an der Malabarküste und ist kommunistisch geprägt. Die meisten Reisenden starten ihre Reise in  Kochi. Hauptsächlich bekannt ist Kerala für die Backwaters, die Teeplantagen in den Western Ghats und die 600km lange Küste.

Anreise

Ich bin mit Etihad Airways von Zürich über Abu Dhabi direkt nach Kochi geflogen. Kosten: 620€. Ein wenig ungünstig war die Ankunftszeit in Cochin – ich bin um 3 Uhr nachts gelandet. Die Taxifahrt ins Zentrum dauerte dann nochmals 1 Stunde, so dass ich um 4.30 Uhr im Hotel war.

  1. Station: Wundervolles Cochin

Das Touristenziel Nummer 1 in Kerala ist die Stadt Kochi.Die Stadt besteht aus mehreren Stadtteilen –  Ernakulum, Mattancherry und das Fort Kochi. Kochi liegt auf einer Halbinsel im Westen der Stadt und ist durch Brücken und Fähren mit den restlichen Stadtteilen verbunden.  Für Touristen ist dieser Stadtteil besonders interessant, denn hier sind die historischen Bauten.

An der Nordspitze von Kochi befinden sich die berühmten Netze der chinesischen Fischer. Alten Überlieferungen zufolge sollen sie bereits im 13. Jahrhundert von Kaufleuten aus dem Reich der Mitte mitgebracht worden sein. Die Netze hängen an schweren Holzkonstruktionen und kommen nach starken Regenfällen bei steigendem Hochwasserpegel zum Einsatz. Ansonsten dominieren Gebäude im portugiesischen Kolonialstil  das Stadtbild. Außerdem hat das Altstadtviertel  eine Attraktion der besonderen Art: eine Franziskanerkirche  aus dem Jahr 1503. Sie ist die älteste von Europäern errichtete Kirche in Indien. In ihr wurde Vasco da Gama nach seinem Tod im Jahr 1524 beigesetzt. Der Leichnam wurde später nach Lissabon überführt, der Grabstein befindet sich noch heute an Ort und Stelle.

Ein weiteres Highlight in Kochi ist das jüdische Viertel und die dazugehörige Synagoge. Nach dem Besuch des Gotteshauses lässt sich in diesem Viertel sehr gut shoppen und zahlreiche Cafés warten auf einem. Die Atmosphäre hat mir hier ganz besonders gefallen. In Kochi lässt es sich gut ein paar Tage verbringen. Die Atmosphäre ist entspannt und man kann sich in den Straßen treiben lassen.

Essenstipp: das Restaurant Fusion und Dal Roti

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2. Station: Munnar

Wenn man knallgrüne Teeplantagen sehen möchte und davon nicht genug kriegen kann, muss man in die West Ghats  nach Munnar fahren – das habe ich getan. Von Cochin aus gibt es Direktverbindungen mit dem öffentlichen Bus. Die Fahrt dauert zwischen 5 – 6 Stunden. Schon bei der mühsamen Anreise mit dem Bus hat mich der Anblick der Teeplantagen beeindruckt. Munnar selbst liegt auf 1500 m Höhe. Die Temperaturen sind sehr angenehm. Die Stadt  ist völlig unspektakulär. In Munnar kann man schöne und ruhige Tage verbringen, vor allem wenn man gerne wandert.

  • Die Anreise ist mit öffentlichen Bussen möglich, z.B. regelmäßig ab/nach Busbahnhof Ernakulam (Kochi) via Aluva (ca. 5 – 6 Stunden)
  • In Munnar ist es wesentlich kühler als im Flachland, in der Nacht können die Temperaturen auf weniger als 10 Grad sinken. Bei Wanderungen in den Teeplantagen unbedingt gut vor der Sonne schützen!
  • Vom Ort Munnar aus sind Teeplantagen in ca. 10 Gehminuten zu erreichen.

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3. Station: Alappuzha

Alappuzha  liegt nur vier Busstunden von Munnar entfernt und ist die bedeutendste Stadt der Backwater-Region. Der einzigste Grund, weshalb man als Reisender hierher kommt sind die Backwater-Touren, die hier alle starten.

Eine Bootstour durch die Backwater zählt zu den touristischen Höhepunkten einer Rundreise durch Kerala. Dabei geht es über breite Flüsse, überwucherte Seen und durch schmale Kanäle. Auf diesem dichten Netz an Wasserwegen wurden früher Gewürze und andere Produkte von den Erzeugern zum Meer transportiert und dort auf große Schiffe verladen. Für die Erkundung der Backwaters gibt es drei verschiedene Möglichkeiten: auf einem Hausboot, per öffentlicher Fähre oder einem gemieteten kleinen Boot. Alle Varianten haben ihre eigenen Reize.

Möglichkeit 1: mit dem Hausboot

Die sicherlich stilvollste und bequemste Art des Reisens durch die Backwaters ist eine Tour mit Übernachtung auf einem sogenannten Kettuvallam, einer umgebauten Reisbarke. Mehrere Hundert dieser Hausboote stehen im Hafen  von Alappuzha. Manche sind sehr gut ausgestattet: mit klimatisierten Schlafzimmern,  Sonnendeck und Wohnzimmer.  Am unteren Ende der Preisskala dürfen Reisende keinen Luxus erwarten. So soll es durchaus vorkommen, dass nachts Ratten über die Holzplanken huschen. Tagsüber fährt man über die Wasserstraßen und besucht Dörfer. Zwischendurch serviert der mitreisende Koch indische Spezialitäten. Abends wird das Boot am Ufer festgemacht. Nach einer Nacht geht es dann in den Morgenstunden wieder zurück nach Alappuzha. Ich habe mich gegen die Hausboot-Variante entschieden. Zum einen ist sie relativ teuer: die Preise für eine Tour mit Übernachtung beginnen – bei etwa 100 Euro und sind nach oben hin offen. Zum anderen war ich alleine und ich glaube, ich wäre mir auf dem großen Boot sehr einsam vorgekommen.

Möglichkeit 2: mit dem angemieteten Motorboot

Ich habe mich mit anderen Reisenden zusammengetan, um ganz früh am Morgen für vier Stunden durch die Backwater zu fahren. Zu viert haben wir ein Boot gemietet, welches uns direkt am Guesthouse abgeholt hat. In den frühen Morgenstunden durch die Kanäle zu schippern ist besonders reizvoll, da am Ufer sehr viel Leben herrscht. Die Menschen waschen sich, putzen sich die Zähne und fangen an ihrer Arbeit nachzugehen. Außerdem kommt man mit einem kleinen Boot in sehr schmale Kanäle.

Möglichkeit 3: mit der öffentlichen Fähre durch die Backwaters

Mit Abstand am günstigsten lassen sich die Backwaters mit öffentlichen Fähren bereisen. Diese verbinden mehrmals täglich verschiedene Orte in der Region. Zu den bekanntesten Routen gehört die Ganztagsfahrt – mit vielen Touristen – von Alappuzha nach Kollam. Die Fahrt mit der öffentlichen Fähre dauert 8  Stunden. DieReise führt durch dichte tropische Vegetation und ermöglicht Einblicke ins ländliche Kerala. Viele Greifvögel und Kormorane sind zu sehen – und Palmen, Palmen, Palmen.  Wir verbrachten gefühlt den ganzen Tag auf der Fähre, dennoch kam nie wirklich Langeweile auf, da die Landschaft am Ufer sich ständig änderte.

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4. Station: Kollam

In Kollam habe ich eigentlich nur übernachtet. Ich bin abends vom Hafen mit dem TukTuk in die Stadt gefahren und morgens mit dem TukTuk zu Bahnhof. Abends bin ich noch ein wenig durch die Straßen geschlendert, gehe jedoch davon aus, dass Kollam nichts Bedeutendes aufzuweisen hat. Mein Hotel war perfekt und absolut empfehlenswert:  das Nani Hotel direkt im Zentrum von Kollam.

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5. Station: Varkala

Mit dem Zug von Kollam ist es wirklich nur ein Katzensprung nach Varkala. Die Fahrt dauerte nur 2,5 Stunden.

Am Varkala Beach ist die Atmosphäre wunderbar entspannt, die Infrastruktur gut, und ein schöner Strand befindet sich direkt vor der Haustür. Über ihm erheben sich steile Klippen aus rotem Stein. Morgens sah ich manchmal Delfine, nachmittags ziehen Greifvögel ihre Runden und nachts sieht man hunderte Lichter auf dem Meer, das sind die Fischerboote. Am Rand des sogenannten North Cliffs, des touristischen Zentrums von Varkala, schlängelt sich eine schmale Füßgängerstraße entlang. An ihr liegen diverse Unterkünfte, Restaurants und Geschäfte mit indischen oder tibetischen Produkten.  Touristischer geht es kaum  – was mich  Anfang April in der Nebensaison aber nicht weiter störte.

Die Auswahl an Restaurants auf dem Cliff von Varkala ist riesig. Fast alle bieten ähnliche Gerichte an, darunter die ganze Bandbreite der indischen Küche.  Fast überall gibt es frischen Fisch, atemberaubender Blick aufs Meer und in vielen Restaurants wird Bier angeboten.

Tagsüber tummeln sich viele am Varkala Beach unterhalb des Cliffs. Der Weg dorthin führt über steile, teils brüchige Treppen. Der Sand ist fein. Nur wenige Touristen Baden im Meer, da die Strömungen nicht ohne sind.

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6. Station: Marari Beach

Der Marari Beach (auch Mararikulam Beach genannt) liegt 15 Kilometer nördlich von Alappuzha (Alleppey). In Reiseführern ist der malerische Strand bislang oft nicht mal erwähnt. Entsprechend wenig Touristen sind hier anzutreffen. Bei Indern hingegen gilt der Marari Beach als beliebtes Ausflugsziel.

Der sehr schöne, breite, helle, kilometerlange, meist einsame Sandstrand mit Palmen und Fischerbooten eignet sich ideal für lange Spaziergänge. Ansonsten gibt es hier nichts zu tun. Der Strand ist noch so einsam, dass es nicht mal ein Restaurant gibt. Ich verbrachte hier drei Nächte in einem wundervollen kleinen Guesthouse. Die Zimmer waren glücklicherweise klimatisiert. Gegessen wird im Guesthouse. Die Besitzer haben jeden Abend für alle Gäste gekocht, das heißt, es gab keine Karte. Uns wurde jeden Abend etwas anderes aufgetischt.

 

 

 

 

 

 

Written by Reisen macht froh