Ich glaube jeder Reisende, der zum ersten Mal nach Indien fliegt, freut sich wahnsinnig auf das, was auf ihn zukommt und anderseits hat auch jeder ein wenig Respekt. Was hört man alles für Horrorgeschichten über Indien und speziell von Delhi. Um es gleich zu sagen: alles halb so schlimm.

Ich flog Delhi nicht von Zürich an, sondern ich kam aus Bangkok. Mein Erstkontakt zu Indien war quasi ein Stop-Over. Der Gandhi-Airport begrüsste mich mit einer schnellen und reibungslosen Immigration und als erster Flughafen mit Handdesinfektion-Spray nach dem Finger-Scan, somit war der erste positive Eindruck schon mal geglückt. Beim Ausfüllen des Einreise e-Touris Visa noch von zu Hause aus,  hatte ich noch den Eindruck gehabt, Indien möchte vielleicht gar keine Besucher haben. Neben sehr detaillierten Angaben über die einreisende Person inkl. diverser Dokumente im richtigen Format, darf man u.a. auf dem mehrseitigen Fragebogen seinen Familienstammbaum offenlegen.

Kaum hatte ich das Flughafengebäude verlassen, bemerkte ich das Taxichaos. Welches Taxi sollte ich nun nehmen. Ich folgte meinem Prinzip: „Der erste Fahrer der mich anspricht, den nehme ich“ und so ging ich dann in die Verhandlungen. Die Verhandlungen waren respektvoll und so einigten wir uns schon nach 5 Minuten um den Preis. Allerdings stellte sich dann heraus, dass der Fahrer nicht wusste, wo mein Hotel liegt. Irgendwann wusste er schließlich zumindest ungefähr die Gegend und so fuhren wir los. Die Fahrt ins Zentrum dauerte eine knappe Stunde. Dort angekommen, fragte er sich durch und irgendwann standen wir tatsächlich vor meinem Hotel.

Delhi gleicht einem heillosen Ort des Chaos. Die indische Hauptstadt wurde schrittweise von vielen Dynastien, die hier regiert haben, geprägt und gestaltet. Heute ist sie eine der am schnellsten wachsenden Großstädte der Welt. Indiens Vergangenheit und seine Zukunft werden hier erlebbar. Für mich hat die Stadt viele Gesichter – eines davon ist Old Delhi, die ehemalige Hauptstadt der Moguln, die 1683 gegründet wurde. New Delhi liegt im Süden. Beide sind in so vielen Dingen verschieden – nicht nur in Architektur und Gestaltung, aber auch in den Menschen, die dort leben. Old Delhi hat sehr enge Straßen mit einem Gewirr aus Stromkabeln, die überall über den Köpfen der Menschen hängen und im Kontrast dazu sind Neu Delhi’s Straßen weit und mit kleinen Parks versehen.

Guten Morgen Delhi – Chaos ich will dich fühlen – so oder so ähnlich bin ich aufgewacht. Ich wusste, dass mir für die 23-Millionen-Stadt nur zwei Tage Zeit blieben und ich wollte so viel Eindrücke wie möglich in dieser Zeit mitnehmen. Also ging ich gleich nach dem Frühstück los. Am ersten Tag wollte ich mich einfach nur treiben lassen in Old Delhi. Ich war zu Fuß unterwegs. In Old Delhi herrscht so ein wundervolles Chaos. Noch nie an einem anderen Ort habe ich so viel Chaos erleben dürfen als hier. Die Straßen und Gassen sind komplett überfüllt und das Treiben nimmt kein Ende. Man kann es kaum in Worte fassen, was man dort erlebt. Mir wurde nur relativ schnell klar. Das was ich hier erlebte ist nicht für jeden Reisende das Richtige. Irgendwann am frühen Nachmittag wurde es mir auch zu viel und ich verließ mit dem Taxi Old Delhi. In New Delhi erhoffte ich ein wenig mehr Ruhe und Entspannung. Ich stieg am Connaught Place  aus und setze mich erst ein Mal in ein Cafe, bestellte einen Milchkaffee und las zwei Stunden ein Buch. Gegen Spätnachmittags verließ ich das Cafe und schlendert um den Platz. Irgendwann wurde es mir zu viel und ich wollte nur noch zurück in mein Hotelzimmer, dem einzigsten Rückzugsort, den ich hatte.

Am zweiten Tag wollte ich die vielen Sehenswürdigkeiten abklappern, die Delhi zu bieten hat. Aus diesem Grund nahm ich mir den Luxus und heuerte einen Fahrer an, der mich den ganzen Tag begleitete. Das ist sicherlich die bequemste Art durch Delhi zu kommen, allerdings auch die teuerste (25€).

Ich war mit meinem Fahrer den ganzen Tag unterwegs und ich habe etliche Gebäude und Sehenswürdigkeiten besichtigt. Ich möchte allerdings nur von den zwei großartigsten berichten, die man auf alle Fälle gesehen haben muss, wenn man in Delhi ist.

Die Jama Masjid Moschee

Jama Masjid oder auch „Freitagsmoschee „genannt, befindet sich in Old-Delhi. Sie wurde im 17. Jh. von Shah Jahan in Auftrag gegeben. Bis heute ist das spektakuläre Bauwerk die größte Moschee des Landes.  Sie erhebt sich auf einem felsigen Hügel, dem Bho Jhala, über das Häusermeer von Old-Delhi.

Shah Jahan hatte  auch den Bau des Taj Mahal beauftragt. Er wollte damit vor allem sich selbst verherrlichen. Diese Tatsache kann man noch heute an zehn Inschriftentafeln an der Front des Gebäudes erkennen, in die anstatt der üblichen Koranverse Inschriften eingraviert sind, die das Bauwerk selbst sowie dessen Schöpfer lobpreisen. Im Inneren findet man aber religiöse Glaubensformeln an den Wänden, die einem den eigentlichen Zweck des Gebäudes wieder ins Bewusstsein rufen.

Die Moschee wurde im Jahr 1658 fertiggestellt, in genau jenem Jahr, in dem Shah Jahan von seinem eigenen Sohn vom Thron gestürzt wurde. Zuvor zog er jeden Freitag mit seinem gesamten Hofstaat in einer prunkvollen Prozession von seinem Palast zur Moschee. Mit diesem Brauch, der der Jama Masjid den Beinamen Freitagsmoschee verlieh, demonstrierte Shah Jahan nicht nur seinen Machtanspruch auf den Staat, sondern auch jenen auf die Kirche. Als Freitagsmoschee werden jene Moscheen bezeichnet, in denen das Freitagsgebet gemeinschaftlich verrichtet und die Freitagspredigt gehalten wird.

Die Jama Masjid ist aus rotem Sandstein und kostbarem weißem Marmor erbaut, dominiert von drei Zwiebeltürmen und von zwei schlanken, dreifach gegliederten Minaretten flankiert. Das linke Minarett darf von Besuchern gegen eine zusätzliche Gebühr über eine ziemlich enge, dunkle Treppe erklommen werden. Dies zu tun lohnt sich allemal, denn die Minarette bieten mit 40 Metern Höhe von ihrer Spitze aus einen wunderbaren Panoramablick über Alt-Delhi. Wenn man oben ankommt hat man einen herrlichen Blick, allerdings geht es sehr eng zu und ich hatte das Gefühl als ich oben ankam, dass zu viele Menschen im Turm sind.

Besucher müssen am Eingang der Moschee ihre Schuhe ausziehen. Fotografieren ist im Inneren erlaubt, man sollte dabei aber vorsichtig sein und sich vielleicht etwas zurückhalten, da sich Moslems nicht besonders gerne ablichten lassen.

Das Red Fort

Eines der wichtigsten Sehenswürdigkeiten Delhis ist die gewaltige Festungs- und Palastanlage aus roten Sandstein.Es stammt  aus der Zeit des Mogulreiches und wurde unter Shah Jahan erbaut. In dieser Zeit diente das Fort als Residenz in der damaligen Hauptstadt Shahjahanaba – der heutigen Altstadt Delhis. Als im 18. Jahrhundert die Afghanen und Perser über Delhi herfielen, blieb auch das Fort vor Plünderungen und Zerstörungen nicht verschont. Erst nachdem der letzte Großmogul abgesetzt wurde und der indische Aufstand im Jahr 1658 niedergeschlagen wurde, fiel das Fort in die Hände der britischen Armee. Mit der Unabhängigkeitserklärung im Jahr 1947 ging das Fort zurück an die indische Regierung.
Hinter den massiven Festungsmauern befindet sich eine perfekt gegliederte Palastanlage mit Moscheen, Privat- und Badehäusern, sowie Basarstraßen, die seinerzeit ein komfortables Leben für den Mogul und sein Gefolge bot.

Das Rote Fort gehört zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten in Delhi und wurde im Jahr 2007 von UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt.

Der dritte Tag war schon mein Abflugtag und ich habe mir sehr schwer getan, mich für die Fahrt nach Agra zu entscheiden. Am Abend davor habe ich es dann getan. Ich habe mich entschieden, ich wollte das Taj Mahal sehen und habe mir einen Fahrer gebucht. Ich habe mir vor allem schwer getan, weil ich wusste, dass dieser Besuch am Abflugtag eine sehr anstrengende Unternehmung wird. Seit ein paar Jahren gibt es eine Autobahn, welche Delhi mit Agra verbindet. Ansonsten wäre es nicht möglich gewesen die Strecke an einem Tag überhaupt zu machen. Um 6 Uhr am Morgen ging die Fahrt los. Wir gleiteten fast geräuschlos über die autoleere Autobahn. Drei Stunden später waren wir dann auch schon dort.

Das Taj Mahal ist zu Recht eine der meistbesuchten Sehenswürdigkeiten in Indien. Schon beim Anblick aus der Ferne kam ein beeindrucktes „Wow“ über meine Lippen.

Der Großmogul Shah Jahan ließ den Taj Mahal zum Gedenken an seine verstorbene, große Liebe Mumtaz Mahal (Arjumand Bano Begum) erbauen. Das geschah im Jahr 1631. Heute ist der Taj Mahal nicht nur eine der Top-Sehenswürdigkeiten in Indien sondern auch ein Symbol dieser großen Liebe.

Im Inneren sind Kenotaphe, Scheingräber, zu sehen. Die eigentlichen Gräber befinden sich in der darunterliegenden Krypta. Der Taj Mahal ist auf einer 100 x 100 Meter großen Marmorplattform errichtet, ihn umgibt ein weitläufiges Gelände. Im Westen, Richtung Mekka, steht zum Beispiel eine Moschee und in die Gegenüberliegende Himmelsrichtung ein Gästehaus. Der Taj Mahal ist von einem großen Park mit Wasserbecken und Springbrunnen umgeben.

Spätesten als ich vor dem Gebäude stand, war mir klar, dass sich die Fahrt hierher gelohnt hat. Es ist ein sehr beeindruckendes Gefühl vor diesem mächtigen Bauwerk zu stehen.

Öffnungszeiten und Preise

  • Öffnungszeiten und Eintrittskarten: Die Ticketschalter sind ab ca. 6:30 Uhr geöffnet.
  • Beachte beim Eingang die verschiedenen Reihen für Männer und Frauen.
  • Taschen müssen am Eingang abgegeben werden. Kamerataschen sind erlaubt.
  • Fotografieren ist im Gartengelände erlaubt, nicht aber im Taj Mahal Gebäude selbst.
  • Eintrittspreis: 750 Rupien für Ausländer/20 Rupien für Inder.

 

Written by Reisen macht froh